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MR Dr. Wolfgang Ziegler
Arzt für Allgemeinmedizin
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LITERATUR

           
             

Literatur ist ein Hobby speziell von Hemma, die auch aktiv am Kremsmünsterer Literaturkreis teilnimmt. Kurze Beschreibungen einhundert gelesener Bücher finden Sie hier.

             

Buchbeschreibungen aus dem Literaturkreis Kremsmünster

1) Benoite Groult - Leben will ich - Roman

Im Schatten zweier dominierender Frauen aufgewachsen, fühlt sich das schüchterne Kind Louise ständig überfordert. Erst der Einzug der Amerikaner in Paris verschafft ihr am Ende des Zweiten Weltkrieges die Gelegenheit, nicht nur den physischen Hunger zu stillen, sondern auch ihre sexuellen Bedürfnisse auszuleben. Trotzdem fällt sie, kaum dass sie verheiratet ist, in „typisch frauliche“ Verhaltensmuster zurück. Erst mit knapp 60 Jahren gelingt es Louise, durch das Niederschreiben ihrer Lebensgeschichte ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und ein neues Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Sexualität zu finden.

2)  Maxi Wander - Guten Morgen, du Schöne - Protokolle nach Tonbandaufzeichnungen

Eines der Geheimnisse, warum gerade dieses Buch in Ostdeutschland und zum Longseller und Kultbuch wurde, erfasst Christa Wolf in ihrem Vorwort: Dies ist ein Buch, dem sich jeder selbst hinzufügt. Beim Lesen schon beginnt die Selbstbefragung. In den Nächten danach entwerfen viele Leserinnen, da bin ich sicher (nicht so sicher bin ich mir bei Lesern), insgeheim ihr Selbstprotokoll - inständige Monologe, die niemand je aufzeichnen wird. Ermutigt durch die Unerschrockenheit der anderen, mögen viele Frauen wünschen, es wäre jemand bei ihnen, der ihnen zuhören wollte: wie Maxi Wander ihren Gesprächspartnerinnen.

3)  Virginia Woolf - Orlando - Romanbiographie

Dieses 1928 erschienene Werk nennt Virginia Woolf bewusst „eine Biographie“. Sie ist eine Huldigung an ihre Freundin, die Schriftstellerin Victoria Sackville-West, von Virginia Woolf zärtlich Vita genannt. Im September und Oktober 1927 schrieb Virginia in ihr Tagebuch: „Eines Tages jedoch werde ich hier die Umrisse all meiner Freunde skizzieren wie ein großes historisches Gemälde (...) Vita sollte Orlando sein, ein junger Adeliger. Eine Biographie, die im Jahr 1500 beginnt und bis zum heutigen Tag führt, Orlando genannt Vita; nur mit der Umwandlung aus einem Geschlecht in ein anderes.

4)  Anna Seghers - Das siebte Kreuz - Roman

Dieses Buch, das kurz vor dem Zweiten Weltkrieg entstand, machte Anna Seghers weltberühmt. Es wurde ein Buch, das in einer Zeit für Deutschland sprach, als sonst fast nur mit Abscheu von Deutschland gesprochen wurde. Die Passion des ungekreuzigten Heisler ist ein Volksbuch, das aus dem durch Hitler erneuerten Mittelalter herausfinden hilft, wie es die Maler und Bildschnitzer vor den Bauernkriegen taten. „Wir fühlten alle“, heißt es am Schluss, „wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, das unangreifbar war und unverletzbar .....“

5)  Waltraud Anna Mitgutsch - In fremden Städten - Roman

Die österreichische Schriftstellerin erzählt in ihrem Buch die Geschichte einer Frau, die nach sechzehnjähriger Ehe ihren Mann und ihre Kinder verlässt, um dort, so sie geboren und aufgewachsen und auch in der Sprache zu Hause ist ein eigenes Leben zu beginnen. Denn “immer wieder hatte sie vor der Frage der Zugehörigkeit gestanden, unfähig, sich festzulegen, unfähig sich zu entscheiden, wohin sie nun gehörte. Ich gehöre dahin, wo ich nicht bin, zu euch nicht. Hier bei euch bin ich fremd.“ Dieses Gefühl der Ortslosigkeit hatte immer mehr von ihr Besitz ergriffen. Nun sitzt Lillian im Flugzeug, zwischen Europa und Amerika - eine zeitlich begrenzte Freiheit, ein Schwebezustand. Aber während sie zurück- und nach vorn blickt, ahnt sie schon, was sich bald bestätigen wird: Dass sie nun auch dort, wo sie herkommt eine Fremde ist.

6)  Elisabeth Jolley - Späte Gäste - Roman

Edwin und Cecilia ein etabliertes Paar: Der Alltag, ihr berufliches Engagement - er ist Professor an der Universität, sie Gynäkologin in der Klinik -, ihr Freundeskreis, alles ist aufeinander abgestimmt. Seine Umständlichkeit und Verschrobenheit ergänzen sich bestens mit ihrer fröhlichen Lebenstüchtigkeit. Als Cecilia für ein Jahr zu einer Weiterbildung ins Ausland geht, ist dafür gesorgt, dass Edwins Leben weiter in den gewohnten Bahnen läuft. Aber schon in der ersten Nacht ihrer Abwesenheit bekommt Edwin unerwarteten Besuch. Die Nachbarn, eine Witwe und ihre etwa zwanzigjährige Tochter, haben sich ausgesperrt und bitten um Hilfe. Er lädt sie ein, über Nacht zu bleiben. Bald aber wird klar, dass die beiden Frauen vorhaben, sich bei ihm einzuquartieren. Edwins ruhiges, geregeltes Leben gerät zunehmend in Turbulenzen. Hin- und her gerissen zwischen Entsetzen über den Einbruch in seine Privatsphäre und seiner wachsenden Leidenschaft für die Tochter, verliert er zunehmend seine Souveränität. Wie wird er die späten Gäste wieder los?

7)  Ödön von Horvath - Jugend ohne Gott - Erzählung

Thomas Mann und Hermann Hesse haben diese Erzählung schon 1937 empfohlen: „Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute.“ (Hesse an Alfred Kubin) Für Alfred Döblin war Horvaths Buch „knapp und anschaulich geschrieben“, erzählt über „eine Schule, eine mehr oder weniger verrohte Jugend, an ihr ein Lehrer, der ein Gewissen hat, sich verleugnen muss und es schließlich nicht mehr kann.“ Klaus Mann entdeckte in Horvaths Jugend ohne Gott „alle geheimnisvollen Eigenschaften und Reize der wirklichen Dichtung.“

8)  Ingeborg Bachmann - Malina - Roman

Malina, der erste und einzige Roman der Lyrikerin Ingeborg Bachmann, ist das Buch einer Beschwörung, eines Bekenntnisses, einer Leidenschaft. Malina ist wohl die denkbar ungewöhnlichste Dreiecksgeschichte: weil zwei der Beteiligten in Wahrheit eine Person sind, eins sind, und doch jede Person doppelt ist.

9)  Felix Mitterer - Abraham - Drama

Felix Mitterer nach Abschluss der Arbeit: „Abraham ist kein Aids-Stück geworden, sondern ein Stück über eine homosexuelle Liebe, und darüber, wie ein Mensch mit sich zu kämpfen hat, der an Gott glaubt und an die Gesetze der Kirche, der seine Veranlagung selbst für eine Sünde hält. Und es ist ein Stück über die Liebe zwischen Vater und Sohn.“

10) Peter Handke - Die linkshändige Frau - Erzählung

Marianne, 30 Jahre alt, und ihr achtjähriger Sohn Stefan warten in ihrem Bungalowhaus über den Ausläufern einer westdeutschen Großstadt auf die Rückkehr Brunos, des Mannes und Vaters, von einer mehrmonatigen Geschäftsreise in Skandinavien. Am Abend holt Marianne Bruno am Flughafen ab. Er erzählt von seinem Allein- und Fremdsein in Finnland, von seiner Angst und seiner daraus resultierenden Verbundenheit mit Marianne und Stefan, einer Verbundenheit „auf Leben und Tod..... und das Seltsame ist, dass ich sogar ohne euch sein könnte, nachdem ich das erlebt habe“. Am Morgen darauf gehen sie durch den Park. Plötzlich hat Marianne eine „seltsame Idee, eine Art Erleuchtung:“ Sie bittet ihn, von ihr wegzugehen, sie allein zu lassen. Ohne Umstände willigt er ein, „für immer“ fragt er. Das Alleinsein in der Wohnung macht Marianne müde. Immer wieder lässt sie die Schallplatte laufen „Eine linkshändige Frau.“ Nach und nach hören Marianne und Bruno auf, die Tage zu zählen, die sie allein sind. Die neue Form ihres Daseins beginnt sie zu schützen und sie zu stärken. Zufällig versammeln sich die Personen von Mariannes Umkreis noch einmal in ihrem Haus. Diese Versammlung steigert sich zu einer schmerzhaften Promenade der Lebensräume aller Anwesenden. Nachdem alle gegangen sind, ist Marianne froh, sich nicht „verraten“ zu haben und frei sein zu können. Sie steht wieder am Anfang.

11) Peter Handke - Wunschloses Unglück -Erzählung

„Natürlich ist es ein bisschen unbestimmt, was da über jemand Bestimmten geschrieben steht, aber nur die von meiner Mutter als einer möglicherweise einmaligen Hauptperson in einer vielleicht einzigartigen Geschichte ausdrücklich absehenden Verallgemeinerung können jemanden außer mich selber betreffen - die bloße Nacherzählung eines wechselnden Lebenslaufs mit plötzlichem Ende wäre nichts als eine Zumutung. Ich vergleiche also den allgemeinen Formelvorrat für die Biographie eines Frauenlebens satzweise mit dem besonderen Leben meiner Mutter, aus den Übereinstimmungen und Widersprüchlichkeiten ergibt sich dann die eigentliche Schreibtätigkeit.“

12) Jorge Amado - Dona Flor und ihre zwei Ehemänner - Roman

Dona Flor die schöne junge Hauptfigur des Romans, versteht sich so meisterhaft auf Gaumenreize wie Vadinho, ihr erster Liebhaber und Ehemann, auf Spiel- und Liebesfreuden. Als diesen liebenswerten Tauge- und Habenichts, Schnorrer und Hochstapler im übermütigen   Taumel des brasilianischen Karnevals ein plötzlicher Tod ereilt, kann sie sich nur zögernd zu einer zweiten Ehe mit dem Apotheker Dr. Teodoro Madureira entschließen. Diese ist das Gegenteil der ersten: dort Zügellosigkeit, Leidenschaft und Boheme, hier Ordnung, Pedanterie, ein Anstand, hinter dem sich ein Anflug von Langeweile verbirgt. Da meldet sich, o Wunder, eines Tages der Geist des verstorbenen Vadinhos, um Dona Flor zum zweiten Male zu verführen. Wie sie das Leben zwischen zwei Ehemännern meistert, erzählt Jorge Amado mit heiterer Ironie.

13) Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz - Roman

Die Geschichte des Transportarbeiters Franz Biberkopf, der aus der Strafanstalt Berlin-Tegel entlassen, als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden möchte, ist der erste deutsche Großstadtroman von literarischem Rang. Das Berlin der zwanziger Jahre ist der Schauplatz des Geschehens. Aber gleichzeitig wird die Großstadt selbst zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Franz Biberkopf, der diesen verlockenden, aber auch unerbittlichen Welt zu trotzen versucht. Er gerät in Abhängigkeit von einem Verbrecher, der ihm seine Geliebte tötet. Unter Mordverdacht festgenommen, bricht Franz Biberkopf im Gefängnis zusammen und wird in die Irrenanstalt gebracht. Er entgeht der Anklage und nimmt - äußerlich und innerlich ramponiert - eine Stelle als Hilfsportier an. Mit „Berlin Alexanderplatz“ vollzog Döblin die radikale Abkehr vom bürgerlichen psychologischen Roman. Hier wurde kein Einzelschicksal analysiert. Das kollektive Geschehen, das Allgemeine einer menschlichen Situation erfuhr hier eine gültige dichterische Gestaltung. Der Roman zählt heute neben den Werken von Joyce, Proust, Musil und Thomas Mann zu den wenigen großen Epen unserer Epoche.

14) Tschingis Aitmatow - Dshamilja- Roman

„Hier, in diesem hochmütigen Paris, das alles gesehen, alles erlebt hat merke ich plötzlich, dass mir Werther, Berenice, Antonius und Kleopatra, Manon Lescaut, die Education sentimentale oder Dominique nichts bedeuten, weil ich Dshamilja gelesen habe“, Schreibt Louis Aragon in seinem Vorwort. Im Zentralasiatischen nordöstlichen Kirgisien, irgendwo im Tal des Kukueuflusses, im Sommer des dritten Kriegsjahres, 1943, hat sie sich abgespielt, „die schönste Liebesgeschichte der Welt“ (Aragon). Said, der damals Fünfzehnjährige, der nicht wusste, wie Liebe sich zuträgt, erzählt sie mit großem Erstaunen.

15) Richard Bach - Eins Sein - Eine kosmische Reise

Was wäre, wenn wir uns selbst begegnen könnten - in zwanzig Jahren, vor Jahrhunderten, in einer fernen Zukunft, oder gar in einer anderen Dimension? Würden wir unser Leben ändern, wenn wir wüssten, was uns jenseits von Raum und Zeit erwartet? Richard Bach, Autor des Weltbestsellers „Die Möwe Jonathan“, hat sich auf faszinierendes Gedankenspiel eingelassen und erzählt in „Eins Sein“ von der abenteuerlichsten Reise seines Lebens. Richard Bach und seine Frau Leslie sind auf dem Weg nach Los Angeles, doch beim Anflug ihres Privatflugzeuges verschwinden Stadt und Landschaft unter ihnen, sie gleiten durch ein „Nichts“ und begreifen erst allmählich, dass die normalen Dimensionen von Raum und Zeit ihre Gültigkeit verloren haben. Unterwegs zu neuen Realitäten, treffen sie sich selbst als junge Menschen bei ihrer ersten Begegnung, sehen sich als altes Paar. Hautnah erleben sie Gewalt und Gefahr, genießen aber auch innere Ruhe und Gedankenfreiheit. Am Ende dieser bewegenden Reise stehen die Erkenntnis, dass wir alle Eins sind, mit Vergangenheit und Zukunft, mit dieser Welt und all ihren Menschen, und dass unser momentanes Leben nur eine Möglichkeit von unendlich vielen ist.

16) Oriana Fallaci - Inschallah - Roman

Aus einem Brief des Professors: „ Ich habe ihn begonnen, Liebste, ich arbeite an ihm! Jede Nacht schließe ich mich ins Büro ein und arbeite, arbeite, arbeite: ich befahre die schwierigen Gewässer des so heiß ersehnten Romans. Ich weiß nicht, in welchen Hafen er mich führen wird. Auch dem, der ihn schreibt, gibt der Roman nicht gleich seine zahlreichen Geheimnisse preis, enthüllt er nicht sogleich seine wahre Identität. Gleich dem Fötus, der noch keine ausgeprägten trägt, enthält er zu Anfang eine Vielzahl von Möglichkeiten: er hält unzählige Überraschungen bereit, gute wie böse. Und alles ist möglich. Auch das Schlimmste. Aber der Körper ist schon ausgebildet, das Herz schlägt, die Lungen atmen, Nägel und Haare wachsen, im noch undeutlichen Gesicht erkennst Du klar die Augen, die Nase und den Mund: ich kann ihn Dir vorstellen. Ich kann Dir sogar sagen, dass die Geschichte innerhalb von neunzig Tagen, die von einem Sonntag Ende Oktober bis zu einem Sonntag Ende Januar reichen, der Roman beginnt mit den Hunden von Beirut, einer Allegorie am Rande der Chronik, er geht aus von einem zweifachen Massaker, folgt dem Leitfaden einer mathematischen Gleichung, genauer gesagt der Boltzmannschen Formel S = K ln W, und für die Entwicklung der Handlung bediene ich mich des hamletischen Knappen Odysseus. Dessen der die Formel des Lebens sucht.......“

17) Margriet de Moor - Erst grau dann weiß dann blau - Roman

Robert hat Magda auf einer Reise durch Kanada kennen gelernt, hat sie zuerst amüsiert und dann fasziniert mit seiner Besitz ergreifenden Entschiedenheit. Magda, die nach dem Krieg mit der Mutter nach Kanada ausgewandert ist, geht mit ihm zurück nach Europa, lebt mit ihm ein paar Jahre in den Cevennen und schließlich in Holland, lernt die neue Sprache, übersetzt, findet Freunde. Es geht ihr gut mit Robert, und dennoch spürt und weiß sie bald, „ dass sich ganz in der Nähe des Lebens, in dem man zufällig gelandet ist, ein anderes befindet, das man seelenruhig genauso gut hätte führen können.“ Aber ist diese Wahrheit zumutbar? Sich selbst und den anderen? Eines Tages ist Magda verschwunden, einfach nicht mehr da, ohne eine Nachricht zu hinterlassen weggefahren. Robert hält sich an den Alltagsritualen fest: Arbeit, die Hunde ausführen, der Garten. Nach zwei Jahren ist sie plötzlich wieder da: Warum ist sie weggegangen, warum hat sie mir das angetan, warum hat sie nie darüber gesprochen, sie entzieht sich, sie verheimlicht mir ihr Leben.

18) Reinhard P. Gruber - Einmal Amerika und zurück

Beschreibung fehlt.

19) Ian McEwan - Der Zementgarten - Roman

Ein Kindertraum wird Wirklichkeit: Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert, und die vier Kinder - zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 - haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, dass etwas faul ist.

20) Simone de Beauvoir - Eine gebrochene Frau -Drei Erzählungen

„Ich habe in diesem Buch drei Frauen sprechen lassen, die sich aus ausweglosen Situationen mit Worten zu befreien versuchten: Diese Geschichte hat keine Moral; Lektionen werden nicht erteilt; ich wollte etwas ganz anderes. Man lebt nur ein Leben, aber durch intensives Mit-Erleben, Nach-Erleben gelingt es einem manchmal, in die Haut eines anderen zu schlüpfen. Ich wollte meine Leser an den Erfahrungen teilnehmen lassen, die ich auf diese Weise gemacht habe. Ich fühle mich mit allen Frauen verbunden, die ihr Leben auf sich nehmen und für ein glückliches Leben kämpfen.“

21) Axel Madsen – Jean Paul Satre und Simone de Beauvier - Die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe

„Madsens biographischer Bericht bleibt nicht konventionell. Der Autor entdeckt mit analytischem Scharfsinn die Ansatzpunkte für persönliche Entwicklungen. Er versteht es also, mit Satres eigenem Konzept der Situationen zu arbeiten, dessen Essays und Berichte so aufregend gemacht hatten. Diese Doppelbiographie ist bestes Zeugnis dafür, was Jean Paul Satre und Simone de Beauvier einander bedeuteten“ (Südwest Presse“). - Ein vielschichtiges, ungeheuer farbiges Bild dieser beispiellosen Beziehung, das sich liest wie ein fesselnder Roman“ („Darmstädter Echo“).

22) Jean-Paul Satre - Die Eingeschlossenen von Altona - Drama

1959: Frankreich führt einen gnadenlosen Kolonialkrieg gegen die algerische Befreiungsbewegung. Dieser Krieg pervertiert eine ganze Generation junger französischer Soldaten, die zu Komplizen oder Mittätern von Repressalien, Folterungen und Massakern gemacht werden. Satre will dieses Problem seinen Landsleuten auf der Bühne vor Augen führen. Doch er will dies nicht direkt am Beispiel eines französischen Soldaten in Algerien tun, weil er sich eine aufrüttelndere Wirkung verspricht, wenn er es „verfremdend“ in ein anderes Land verlegt. Daher sagt er ihnen: Wir Franzosen befinden uns heute in der gleichen Situation wie die Nazis, und die Algerier sind uns gegenüber in der Lage wie wir 1940 - 1944 gegenüber der deutschen Besatzung. 1959 Hamburg-Altona: Der Sohn eines der größten Industriellen Deutschlands hat sich seit seiner Rückkehr aus Russland, wo er als Schinder von Smolensk bekannt war, in sein Zimmer eingeschlossen. Dort hält er Verteidigungsreden vor einem fiktiven Gerichtshof: Entweder alle schuldig oder alle unschuldig! Nicht ertragen könne er den Wiederaufbau und Wohlstand der Bundesrepublik. Wenn Deutschland nicht von den Siegermächten vernichtet werde, sei alles sinnlos gewesen. Der wahrhafte Versuch dieses Kriegsverbrechens, mit seiner Schuld zu überleben und vor seiner Verantwortung zu fliehen, wird zum Schicksal für seine ganze Familie, vor allem für seinen Vater der sich schließlich als der Hauptschuldige bekennt.

23) Ingrid Noll - Die Häupter meiner Lieben - Roman

Maja und Cora, die Freundinnen seit sechzehn sind, lassen sich von den Männern so schnell nicht an Draufgängertum überbieten. Kavalierinnendelikte und böse Mädchenstreiche sind ebenso von der Partie wie Mord und Tatschlag. Wehe denen, die ihrem Glück in der Toskana im Wege stehen!

24) Viktor E. Frankl - Das Leiden am sinnlosen Leben - Psychotherapie für heute

Das Leiden an einer tiefen Sinnlosigkeit und lähmenden Leere ist die Krankheit unserer Zeit. Viktor E. Frankl hat ein therapeutisches Konzept entwickelt, mit dem er dieses existentielle Vakuum erfolgreich behandelt. Hier gewährt er einen Einblick in sein Kennen und in seine Praxis. Der weltbekannte Logotherapeut zeigt an vielen Beispielen, wie das Leiden am sinnlosen Leben heilbar wird.„ Die Ansichten, die Professor Frankl in diesem und in seinen anderen Büchern vertritt, bedeuten den wichtigsten Beitrag auf dem Gebiet der Psychotherapie seit den Tagen von Freud, Adler und Jung. Und sein Stil ist bei weitem lesbarer“ (Sir Cyril Burt, Präsident der British Psychological Society). „Dieser Band ist so dicht, so erfüllt von glühendem Humanismus, so reich an Dokumentation, und seine kritischen Stellungnahmen sind so besonnen, dass er minuziös gelesen zu werden verdient, Seite für Seite“ (Annales medico-psychologiques).

25) Fjodor M. Dostojewski - Der Spieler - Roman

Im Sommer 1865 verspielte Dostojewski während eines Aufenthaltes in Wiesbaden den Vorschuss, den ihm sein Verleger Stellowskij für die Rechte an einer Ausgabe seiner bisherigen Werke und unter der Bedingung, dass er bis zum 1. November 1866 einen neuen Roman vorlege, gezahlt hatte. Unter dem Druck dieser Forderung diktierte Dostojewski der Stenographin Anna Grigorjewna, seiner späteren Frau, den Roman „Der Spieler“, in dessen Hauptgestalt er sich selbst porträtierte. In einer fiktiven deutschen Stadt, die den bezeichnenden Namen Roulettenburg trägt, wartet die Familie eines verschuldeten russischen Generals auf eine in Aussicht gestellte Erbschaft. Doch statt des ersehnten Geldes trifft die reiche Moskauer Verwandte persönlich ein und verspielt ihr gesamtes Vermögen. In dieser verzweifelten Situation sucht Polina, die Tochter des Generals, Zuflucht bei Alexei, dem Hauslehrer der Familie, und gesteht ihm , den sie bislang mit kapriziöser Grausamkeit gequält hat, ihre Liebe. Alexei setzt das letzte Goldstück ein und gewinnt an einem Abend 100 000 Florinen. Doch als er zu Polina zurückkehrt, spüren beide, dass er der „Poesie des Spiels“, das er als Herausforderung des Schicksals und als Lust an der Selbstzerstörung erlebt und das nun für ihn das wahre Leben bedeutet,, rettungslos verfallen ist. In diesem 1867 erstmals erschienen Werk klingen bereits zentrale Motive späterer Romane an: Die Hassliebe, wie sie Alexei und Polina verbindet, und die Machtgier, die sich am Reichtum entzündet.

26) Leo Tolstoi - Der Tod des Ivan Iljitsch

Mit der psychologischen Meisterschaft, die seinen großen Romanen nicht nachsteht, schildert Tolstoi in dieser Erzählung die verborgene Lebensangst eines äußerlich wohlgeordneten Beamtendaseins und die Wechselwirkungen zwischen einer erfolgreichen Karriere und einer von heimlichen Hass vergifteten Ehe. Höhepunkt der Erzählung ist die Schilderung der letzten Tage dieses Mannes, der - plötzlich sehend geworden - seine Frau, seine Familie und seine Freunde erkennt und durchschaut. Der Tod bringt ihm die schmerzliche Einsicht in die Verlorenheit seines Daseins, aber schließlich doch den Frieden und die Erlösung.

27) Hera Lind - Das Superweib - Roman

Eigentlich ist Franziska Schauspielerin. Doch während ihr kreativer Gatte Wilhelm Großkötter in der Karibik Dreizehnteiler dreht, sitzt sie mit ihren kleinen Söhnen Franz und Willi zu Hause herum. Das ändert sich, als Franziska sich den Ehefrust von der Seele schreibt, das Manuskript auf Umwegen beim Frauen mit Pfiff-Verlag landet und daraus, wer hätte das gedacht, ein Bestseller wird. Franziska wird zur Erfolgsautorin Franka Zis, kauft für sich und ihre beiden Söhnen ein Haus und reicht die Scheidung ein. Neben dem unheimlich praktischen Anwalt Enno Winkel treten noch andere interessante Männer in ihr Leben. Da kehrt er Ex- und -hopp Gatte Großkötter aus der Karibik zurück, um den Roman einer gewissen Franka Zis zu verfilmen - nicht ahnend, dass es seine Ehe ist, die er auf Zelluloid bannen möchte ..... So blind sind die Männer!

28) Fjodor M. Dostjewskij - Die Dämonen - Roman

Der Roman „Die Dämonen“ ist eine der machtvollsten, beziehungsreichsten Schöpfungen Dostojewskijs. Seine Romantechnik erreicht hier in der Verbindung von packender Handlung mit tiefster philisophisch-religiöser Thematik ihren Höhepunkt. Ein „Buch des großen Zorns“ hat ein russischer Kritiker „Die Dämonen genannt. Das ist der Roman zweifellos in dem heftigen Angriff Dostojewskijs auf die „nihilistische“ Generation der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Wie in Turgenjews „Väter und Söhne“ steht sich die Welt der Väter und der Söhne gegenüber. Der Vater Stepan Trofimowitsch Werchowenskij ficht Dostojewskijs Kampf gegen den Utilitarismus der jungen Generation aus. Vor seinem, Tod lässt er sich aus dem Lukas-Evangelium die Geschichte von der Austreibung der Teufel vorlesen, die dem Roman den Titel und seine religiöse Entschlüsselung gibt. Die Teufel, die Dämonen Russlands, sind die Handlanger der Zerstörung um der Zerstörung willen, vertreten durch den Sohn und Mörder aus politischen Motiven, Pjotr Stepanowitsch, durch die Hauptfigur Nikolaj Stawrogin und seinen Kreis der Nihilisten. Stawrogin ist ein von Machtgier und Zerstörungslust Besessener, der ein Leben voller Ausschweifungen und Grausamkeiten führt und sich schließlich, innerlich gescheitert, erhängt. War der Ausgangspunkt Dostojewskijs zunächst weltanschaulicher Natur - der Konflikt zwischen den atheistischen, westlich orientierten Revolutionären und seiner nationalen, christlich-orthodoxen Überzeugung -, so wird immer mehr zum eigentlichen Thema, was der Dichter in einem Brief über den Romanplan schrieb: „Die Hauptprobleme, durch alle Teile des Romans hin, werden die gleichen sein, von denen ich bewusst und unbewusst während meines ganzen Lebens gequält worden bin - die Existenz Gottes.“

29) Elfiede Jelinek - Die Klavierspielerin - Roman

Der Klavierlehrerin Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, ist es nicht möglich, aus ihrer Isolation heraus eine sexuelle Identität zu finden. Unfähig, sich auf das Leben einzulassen, wird sie zur Voyeurin. Als einer ihrer Schüler mit ihr ein Liebesverhältnis anstrebt, erfährt sie, dass sie nur noch im Leiden und in der Bestrafung Lust empfindet.

30) Erica Fischer - Aimee & Jaguar - Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

Berlin 1942, Lilly Wust, 29, Hausfrau und Mutter von vier Söhnen, der Ehemann Soldat, führt das Leben von Millionen deutscher Frauen. Hausarbeit, Kindererziehung und ab und zu ein Liebhaber sind ihre Welt. Die Verfolgung der Juden und der politisch Andersdenkenden scheint sie nicht wahrzunehmen. Da lernt Lilly Wust die 21jährige Feilice Schragenheim kennen. Es ist Liebe - fast - auf den ersten Blick. Für Lilly öffnen sich Abgründe und der Himmel zugleich. Im Frühjahr 1943 zieht Felice bei Lilly ein. „Aimee & Jaguar“, wie sie einander fortan nennen, schmieden Zukunftspläne, schreiben sich Gedichte und Liebesbriefe, schließen einen Ehevertrag, als ob das Chaos um sie herum nichts mit ihnen zu tun hätte. Als Jaguar Felice ihren Geliebten gesteht, dass sie Jüdin ist und als „U-Boot“ in Berlin untergetaucht lebt, bindet dieses Geheimnis die beiden Frauen noch enger aneinander. Lilly lässt sich scheiden. Doch ihr Glück währt nur etwas mehr als ein Jahr. Am 21. August 1944 kehren Aimee und Jaguar von einem Badeausflug heim - und werden von der Gestapo erwartet. Felice flüchtet, wird aber von einem Hausbewohner verraten. Sie tritt den Leidensweg unzähliger jüdischer Deutschen an. Lilly ist verzweifelt, versucht sogar, ihr ins KZ Theresienstadt zu folgen. Die letzten Zeilen von Felice erhält Lilly Anfang 1945 aus dem KZ Groß-Rosen:“ Ich Danke Dir tausendmal für alles, und denke immer an mich. Die Sachen kann ich so gut gebrauchen, weil ich doch immer draußen bin, und hier ist schon 15 Grad Kälte. Man kann ja so viel, man glaubt es gar nicht, auch ohne Teddymantel und langer Hose. Ich liebe Dich sehr. Dir, den Eltern und den Jungs alles Liebe. Küsse, Küsse, Küsse vom Jaguar.“ Erica Fischer nahm die Spuren auf, sprach mit den Menschen, die Felice und Lilly kannten, verbrachte in Berlin unzählige Stunden im Gespräch mit der heute 80jährigen Lilly, ließ sie sich erinnern, nachdenken, in alten Dokumenten kramen, trauern. Das Berichtete wird in Erica Fischers Erzählung zu einem großartigen Zeugnis einer außergewöhnlichen Liebe in extremer Zeit.

31) Toni Morrison - Teerbaby - Roman

Also wäre das Paradies auf Erden möglich, mit Frieden unter den Menschen, ob reich, arm, schwarz oder weiß? So scheint es auf der karibischen Insel, auf die sich der alte Millionär Street mit seiner Frau und dem schwarzen Butlerehepaar Ondine und Sydney Childs zurückgezogen hat, besucht von deren wurzellos-weltläufiger Nichte Jadine - bis ein zerlumpter Fremder in das Idyll einbricht und in allen sorgsam verborgene, gefährliche Gefühle aufwühlt ....

32) Franz Kafka - Brief an den Vater

Franz Kafka hat den „Brief an den Vater“ im Alter von 36 Jahren, fünf Jahre vor seinem Tode, geschrieben. Er stand damals, im Jahre 1919, auf der Höhe seines literarischen Schaffens. Um so erstaunlicher erscheint es, dass Kafka in diesem Zeitpunkt ausgereifter künstlerischer Produktionsfähigkeit einen solchen „schrecklichen Prozess“ mit seinem Vater führt in Gestalt eines Riesenbriefes, in dem alle Qualen seiner Kindheit noch ebenso unbewältigt und beklemmend anwesend sind wie ehedem. Kein Wunder, dass sich die psychoanalytische Forschung dieses erstaunlichen „Falles“ Kafka in zahlreichen Abhandlungen und Büchern annahm und auch das gesamte dichterische Schaffen Kafkas unter dem Blickpunkt des so genannten „Ödipus-Komplexes“ sah, analysierte und aufzuhellen suchte, in ihm den Schlüssel zu allen „Rätseln“ und Dunkelheiten dieser Dichtung der Weltliteratur in Händen zu halten glaubte.

33) Doris Dörri - Bin ich schön?

Doris Dörrie beschreibt bissig und ironisch, zugleich mit liebevoller Nachsicht Sehnsüchte und Frustration der etablierten und doch seltsam verloren wirkenden Generation der Nach - Achtundsechziger. So nah an der seelischen Wirklichkeit, dass ihre Erzählungen dokumentarischen Charakter gewinnen.

34) Amelie Nothomb - Der Professor - Roman

Das Ehepaar Hazel hat sich einen Traum erfüllt: für den friedlichen Lebensabend das kleine Häuschen auf dem Land, glyzinienumrankt, in schöner Abgeschiedenheit. Auf Sichtweite nur noch das Häuschen des einzigen Nachbarn. So sollte ihrem Glück im Verborgenen nun nichts mehr im Wege stehen - bis zu dem Tag, an dem sich dieser Nachbar zum Kaffee einlädt. Bis dahin nichts Ungewöhnliches. Doch er kommt wieder. Schlag vier steht Palamede Bernardin nun täglich vor ihrer Tür. Und lässt sich weder mit Tricks noch mit deutlichen Hinweisen abwimmeln. Ein Alptraum beginnt sich einzunisten. Die beiden Alten fühlen sich in ihrem Häuschen bald wie in einer belagerten Festung. Emilie Hazel, ehemaliger Lehrer und Altphilologe, ist am Ende seiner Geduld. Dennoch - gerade ihm, dem die Grundregeln abendländischer Zivilisiertheit in Fleisch und Blut übergegangen sind, wird schmerzlich bewusst, dass sich sechsundsechzig Jahre makelloser Höflichkeit nicht einfach abschütteln lassen. Wirklich nicht? Die Pein, die ihnen der Störenfried zufügt, erreicht allmählich ihren Höhepunkt.....Ein frecher, provokanter und erstaunlich abgründiger Roman über eine Grundplage unserer Zivilisation.

35) Peter Schneider - Paarungen

Jede Art und Abart der Liebe ist wissenschaftlich erforscht und wird öffentlich debattiert. Und doch herrscht über das Zusammenleben der Geschlechter größere Ratlosigkeit als je zuvor. Peter Schneider geht in seinem Roman mit Scharfsinn und Witz der Frage nach, wie jene Generation, die 1968 radikal mit den Vätern abrechnete, im Berlin vor dem Fall der Mauer nach einer politischen Identität sucht und wie sie Chaos der Gefühle mit der Liebe umgeht.

36) Christa Wolf - Medea

Sie ist eine der faszinierendsten und zugleich widersprüchlichsten mythischen Gestalten, von Euripides wurde sie als Kindsmörderin in die Literatur eingeführt, spätere Jahrhunderte haben sie immer wieder um- und anders gedeutet: Medea. Heilerin, Priesterin, Liebende, Eifersüchtige, Verräterin, Intrigantin - Christa Wolf erzählt die Geschichte jenseits solcher Urteile und Verurteilungen neu, entwirft das Porträt einer eigenwilligen Frau „zwischen den Zeiten“. Ihre Medea ist, wie in allen Überlieferungen, die Tochter des Königs von Kolchis am Schwarzen Meer, dem östlichen Rand der damals bekannten Welt. Sie kann in ihrer Heimat nicht bleiben und flieht mit Jason, dem Argonauten, und einer kleinen Schar von Kolchern in das reiche Korinth, in dem andere Sitten herrschen, andere Werte gelten als im archaischen Kolchis. Der Roman verfolgt die Geschichte von da an, als sie in Korinth auf die Spur eines Verbrechens kommt, dem König Kreon die Aufrechterhaltung seiner Herrschaft verdankt: die junge Königstochter und mögliche Thronfolgerin Iphonie wurde ermordet. Sechs Stimmen - Medea, Jason sowie einige ihrer Gegner und Freunde - berichten in Monologen, die sich wechselseitig ergänzen und weitertreiben, wie das Verbrechen aufgedeckt wurde und Medea zum Sündenbock gemacht wird. Medea ist in der eindrücklichen Schilderung Christa Wolfs eine Frau zwischen zwei Welten, die sich - fremd hier wie dort - zu behaupten versucht. Ihr Verhalten, so steht zu vermuten, gilt als Provokation der Macht und der Mächtigen, seit Geschichte überliefert und geschrieben wird.

37) Michael Köhlmeier - Bleib über Nacht

Während des Krieges lernen sich die dreißigjährige Pauline und der sechs Jahre jüngere Ludwig kennen. Aber Ludwig muss kurz darauf zurück an die Front, und als die beiden ein halbes Jahr später heiraten, haben sie viele Briefe gewechselt, jedoch erst wenige Stunden miteinander verbracht. Für lange Zeit bleibt ihre Verbindung eine Liebe ohne Vertrautheit, eine Ehe ohne räumliche und körperliche Realität. Nach dem Krieg ist Ludwig verschollen. Ohne zu zögern oder jemals an ihrer Wahl zu zweifeln, macht sich Pauline auf die Suche. Sie hat von Anfang an gefühlt, dass sie beide füreinander bestimmt sind, und sie lässt sich auf nicht beirren, als sich Ludwig, den sie endlich in einem österreichischen Dorf aufspürt, seiner Frau mit verstörter Schroffheit verweigert.....

38) Eugene Ionesco - Die kahle Sängerin - Anti-Stück

Ionescos „Anti- Stück“, bei dem der Zuschauer vergeblich auf das Auftreten der Titelheldin wartet, während sich die agierenden Personen wie menschliche Automaten mit hohlen Sprachschablonen attackieren und Sprache und Wirklichkeit in einem schwindelerregenden Accelerando zerpulvern, ist der erste radikale Bruch des modernen Theaters mit seiner aristotelischen Vergangenheit. Die Uraufführung des Einakters im Jahre 1950 markiert die Geburtsstunde des absurden Theaters.

39) Javier Marias - Mein Herz so weiß

„Ich liebe dich, ich würde alles für dich tun. Auch töten. Ich würde sogar für dich töten.“ Ein leichtfertiger Schwur. Javier Marias nimmt ihn beim Wort. Teresa und Ranz, eben von der Hochzeitsreise zurückgekehrt, sitzen mit der Familie der Braut bei Tisch. Unvermutet steht die junge Frau auf, geht ins Bad und schießt sich ins Herz. Mit diesem dramatischen Auftakt beginnt Javier Marias raffiniert inszenierter Roman über Liebe und Ehe, über Treue und Schwüre. Vierzig Jahre sind nach dem unerklärlichen Selbstmord vergangen. Ranz hatte kurz darauf wieder geheiratet, und sein Sohn Juan ist es, der dem Geheimnis nachspürt. Am Ende erfährt er die schreckliche Wahrheit.

40) Fay Weldon - Ehe-Bruch - Roman

Als Spicer sich nach zehnjähriger Ehe ungewohnt schroff von seiner Frau verabschiedet, hofft Annette noch, eine vorübergehende Irritation sei der Grund, aber schon bald mehren sich die Anzeichen für ein eheliches Debakel: Spicer ist offenbar einer Psychotherapeutin in die Fänge geraten und zieht sich nun immer mehr in sein schmerzendes Ich zurück. Was Annette auch unternimmt, um eine Wende zum Besseren einzuleiten, alles kehrt sich gegen sie: Was positiv gemeint war, wird negativ gedeutet, Zuneigung wird zur Ablehnung, Liebe zu Hass. Annettes verzweifelter Versuch, den Fluch durch eine Sitzung beim ebenfalls therapierenden Gatten zu brechen, endet mit einem absurden Satyrspiel.

41) Thomas Bernhard - Auslöschung - Ein Zerfall

„Auslöschung“ ist der Titel einer Niederschrift, die Franz-Josef Murau in seinem letzten Lebensjahr in Rom verfasst hat und die Thomas Bernhard zugänglich macht. Diese Aufzeichnungen waren für Murau unumgänglich geworden, da ihnen ein Thema im Zentrum steht, das seine Existenz zerstört hat, nämlich seine Herkunft. Dieser „Herkunftskomplex“ lässt sich mit dem Namen eines Ortes bezeichnen: Wolfsegg. Hier ist Murau aufgewachsen, hat er den Entschluss gefasst, dass er, will er sich, seine geistige Existenz retten, Wolfsegg verlassen muss. Obwohl er deshalb beabsichtigt, Wolfsegg zu meiden, muss er dennoch dorthin reisen: seine Eltern und sein Bruder sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Dieser erneute Wolfsegg-Aufenthalt macht Murau deutlich, dass er sich von Wolfsegg endgültig lösen muss. Er fasst den Entschluss über Wolfsegg zu schreiben, und zwar mit dem Ziel, das in diesem Bericht „Beschriebene auszulöschen, alles auszulöschen, das ich unter Wolfsegg verstehe, und alles das Wolfsegg ist.“ Das Stilmittel, das Murau bei dieser Auslöschung verwendet, ist die Übertreibung - eine Kunst, die auch Thomas Bernhard zur Perfektion entwickelt hat.

42) Amy Tan - Töchter des Himmels - Roman

Töchter des Himmels, ist die Geschichte von vier Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges aus Rotchina in die Vereinigten Staaten geflohen sind, um sich in San Franzisco eine neue Existenz aufzubauen. Und es ist die Geschichte ihrer vier Töchter, die nicht viel von überkommenden Pflichten und Traditionen halten. Sie erheben Anspruch auf ein freies Leben unter westlichem Vorzeichen und können sich doch den Geheimnissen und der Magie des alten China nicht verschließen.

43) Donna Leon - Venezianisches Finale - Roman

Skandal in Venedigs Opernhaus „ La Fenice“: In der Pause vor dem letzen Akt der „Traviata“ wird der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer tot aufgefunden. In seiner Garderobe riecht es unverkennbar nach Bittermandel - Zyankali. Ein großer Verlust für die Musikwelt und ein heikler Fall für Commissario Guido Brunetti. Dessen Ermittlungen bringen Dinge an den Tag, wonach einige Leute allen Grund gehabt hätten, den Maestro unter die Erde zu bringen. Der Commissario entdeckt nach und nach einen wahren Teufelskreis aus Ressentiments, Verworfenheit und Rache. Mit ihrem ersten Kriminalroman zeichnet Donna Leon ein intimes Portrait Venedigs und stellt mit Guido Brunetti einen absolut unwiderstehlichen Detektiv vor.

44) Marlen Haushofer - Die Tapetentür - Roman

„Man ist nicht blind, wenn man liebt. Man sieht die Fehler des geliebten Menschen deutlich und fängt damit an, Liebe auf die räudigen Stellen zu häufen. Aber immer wieder scheint das Übel durch. So geht es nicht. Man muss anfangen, die Räude selbst zu lieben.“ Annette, eine junge Bibliothekarin, lebt allein. Sie hat einige Affären, deren immer gleicher Ablauf sie langweilt. Gleichzeitig wächst in ihr das Gefühl der Leere und Entfremdung. Es scheint überwunden, als sie den vitalen Anwalt Gregor kennen lernt, in den sie sich sofort verliebt. Als Annette schwanger wird, heiraten die beiden, aber in Wirklichkeit wissen sie nichts voneinander. Annette, die es genossen hat, „mutterseelenallein“ zu sein, ein Wort, das ihr wie „Zucker im Mund“ zerging, wird immer mehr abhängig von der Geborgenheit und Sicherheit, die Gregor ihr vermittelt. „Ein unheilvolles - wenn auch unbewusstes - Wissen klingt in jeder Zeile von Marlen Haushofers faszinierender Schicksalsanalyse mit ... „Die Tapetentür“ ist die überlegen kluge poetische und spannungsgeladene Darstellung dieser Seele und ihrer Umwelt:“

45) Susanna Tamaro - Anima mundi - Roman

„Im Grunde genommen beneidete ich diejenigen, die schon mit einem Schirm in der Hand geboren wurden. Es regnet, es schneit, es hagelt, und sie werden immer geschützt, sie legen den Schirm nicht einmal weg, wenn die Sonne scheint.“ Das denkt sich Walter, der Protagonist von Susanna Tamaros neuem Roman, der in seinem Elternhaus ohne Geborgenheit aufwächst. Mit der Zeit jedoch verwandelt sich seine Verletzlichkeit in Wut auf die Welt, und er verbündet sich mit Andre, der zum Freund und Weggefährten wird. Kaum volljährig, verlässt Walter seine Stadt im Norden, zieht in die Welt hinaus, um seinen Platz in ihr zu finden, und versucht sich in Rom zu bewähren, wo er in der Film und Fernsehwelt verkehrt. Doch mag er sich nicht mit flittrigem Schein einer genusssüchtigen und angepassten Gegenwart begnügen. Walter entdeckt auf der Suche nach Fülle die Literatur: Kapitän Ahab, Marlowe, Raskolnikov und David Copperfield werden zu seinen Begleitern. Er wird selbst als Künstler entdeckt und erkundet die Liebe, ja dringt bis zum Wesenskern der Dinge vor. Einfühlsam zeigt Susanna Tamaro in ihrem modernen Entwicklungsroman, dass sich, wie schwierig innerer Frieden auch zu erreichen sein mag, ein Weg zum Herzen finden lässt. Und dass Glück nur erlangt, wer sich zu geben vermag.

46) Norbert Gstrein - Einer - Erzählung

„Einer ist eines der erstaunlichsten Prosabücher der jüngeren österreichischen Literaturgeschichte. Seit Peter Handkes „Wunschlosem Unglück“ ist eine derart dichte, dabei unangestrengte Verflechtung von Erzählung  und Erzählreflexion nicht gelungen.“

47) Gerd Brantenberg - Die Töchter Egalias - Roman

Egalia für alle: Für Neugierige, für Gefrustete und Lachsüchtige, für Eilige, für Gründliche, für Beide, für Vorsichtige, für Kritische, für Feministiker und für Superlativisten.

48) Anne Michaelis - Fluchtsücke - Roman

Als Siebenjähriger wird Jakob Ber im Zweiten Weltkrieg aus den Höhlen einer Ausgrabungsstätte in Polen gerettet. Ein griechischer Archäologe, Athos, schmuggelt den ausgehungerten kleinen Jungen, dessen Eltern erschlagen wurden und dessen Schwester verschollen ist, unter seinem Mantel verborgen mit einem alten Lieferwagen nach Griechenland. Aber auch Griechenland ist von den Deutschen besetzt, und Athos muss Jakob in seinem kleinen Haus auf der Insel Zakynthos verstecken. „Dort lebten wir auf festem Fels, an einem hohen und windigen Ort voller Licht.“ Jakob lernt langsam die neue Sprache, er lernt Athos vertrauen. Und Athos, der ihn nicht vor die Tür lassen kann, bringt dem verstörten, aber klugen Jungen alles bei, was er weiß. In seinem Haus stapeln sich die Präparate und Felsproben, die Sedimente und Fossilien, mit denen er als Geologe und Archäologe arbeitet, und er zeigt Jakob in den engen zwei Räumen des windigen Hauses die ganze Weite der Welt, die Sternbilder, die frühen Landkarten, Berichte von Antarktisexpeditionen und die Geheimnisse des Vogelzugs, die Kontinentalverschiebung und die uralten, unendlich langsamen Prozesse der Geologie. In dieser fernen Vergangenheit findet Jakob, der die Gegenwart fürchtet und um seine Familie trauert, ein gewisses Maß an Sicherheit. Als der Krieg vorüber ist, wird Athos als Professor nach Toronto gerufen, und die beiden schiffen sich ein in eine neue Welt. Dort, im Kanada der Nachkriegszeit, findet das Buch sein eigentliches Thema: das einzige, was Jakobs Verstörung und Furcht besiegen kann, ist die Liebe. Für diese von Krieg und Verlust gezeichneten Menschen ist die Liebe mehr als eine tiefe Verbindung zwischen zwei Menschen - sie ist in einer unendlich grausamen Welt das einzige Überlebensprinzip. Und Jakob findet diese Liebe in Michaela. Fluchtstücke ist ein Erstling, aber aus ihm spricht eine Intensität und eine moralische Intelligenz ohnegleichen.

49) Luc Bondy - Das Fest des Augenblicks - Gespräche mit Georges Banu

Luc Bondy, in Frankreich aufgewachsener Schweizer, ist unter den europäischen Regisseuren der Meister der Schwerelosigkeit und Grazie. Ein „Fest des Augenblicks“ nennt er das Theater. Ob bei Marivaux oder Mozart, Botho Strauß oder Schnitzler, stets spürt er dem nach, was die Menschen im Innersten, Feinsten bewegt: “desir“. Eine pädagogische oder programmatische Sendung ist ihm fremd. So ergeben auch die sechs Dialoge, die er mit dem französischen Theaterdenker Georges Banu geführt hat, kein System keine Theorie. Luc Bondy versteht sie selber als „Minidramen“, in denen er sich ständig selber widerspricht - so wie Theater für ihn Widerspruch, stetiges Infragestellen ist. Er spricht über seine Methode („Meine Methode, das bin ich“), über Insenzieren als eine Art des Schreibens, über seine Liebe zu den Schauspielern, über die Grenzgängerei zwischen der französischen und der deutschen Kultur, über das Kino und die Oper. Er polemisiert gegen das Theater des Exzesses, der anarchistischen Attitüde eine Frank Castorf und bekennt sich zu einem „Theater ohne Theater“. Zusammen mit kunstvollen kleinen autobiographischen Erzählungen, die Luc Bondy als Literaten zeigen, entsteht das Selbstportrait eines mitteleuropäischen Regisseurs des Welttheaters. Abgerundet wird es von einem Essay von Ivan Nagel, einem Gespräch mit Dieter Sturm, dem langjährigen Freund und Mentor, und zahlreichen Zeugnissen, von Gerard Mortier bis Michel Piccoli und Peter Stein.

50) John Berger - Auf dem Weg zur Hochzeit - Roman

In Gornio, an der italienischen Küste, wo der Po ins offene Meer mündet, soll Ninons Hochzeit stattfinden. Jean Ferrero, der Vater der Braut, ein Eisenbahner, kommt aus Frankreich mit seinem schweren Motorrad über die Alpen. Zdena, Ninons Mutter, die aus der Tschechoslowakei stammt, reist von Bratislava mit dem Bus an. Gino, der Bräutigam ist Italiener. Wir befinden uns im Herzen Europas - an Ninons Schicksal haben Menschen vieler Nationen Anteil. Ninon weiß, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. Als sie mit Gino in einem Boot auf dem Po fährt, spürt sie mit geschlossenen Augen die Strömung, wie „einen Schwall, der ungeheuerlich steigt und fällt und das Boot und uns darin anhebt. Die Geduld dieses Schwalls ist das Schlimmste, denn sie sagt mir, dass das, was uns trägt, flüssig ist, unaufhaltsam und zu groß, um uns überhaupt zu bemerken“. Gino aber vermag in der Strömung zu navigieren, und so will er Ninon zeigen, dass sie auch mit der Krankheit leben kann. An ihrem Hochzeitstag lässt sie sich vom Taumel der Lebensfreude mitreißen, während die Band immer wieder „Last Friday Drives Monday Crazy“ spielt. Ninons ekstatischer Tanz wird zu einem Hymnus auf das Leben, gerade wenn es am meisten bedroht ist.

51) Jean - Dominique Bauby - Schmetterling und Taucherglocke

Er war dreiundvierzig Jahre alt, Vater zweier Kinder und ein erfolgreicher Redakteur, als ihn am 8. Dezember 1995 ein Gehirnschlag ihn all seiner bisherigen Lebensmöglichkeiten beraubte. Von diesem Tag an blieb er vollständig gelähmt, unfähig zu sprechen, auch nur ein Glied zu rühren oder zu schlucken, und seine einzige Möglichkeit sich verständlich zu machen, war das Blinzeln mit einem Auge. Fünfzehn Monate später beendete er sein Buch, das er allein mit seinem linken Augenlid diktiert hatte. Es ist ein einzigartiges Dokument: zu ersten Mal berichtet ein Opfer des Locked-in-Syndroms, wie die Krankheit in Fachkreisen heißt, was in einem Menschen vorgeht, der äußerlich zur Statue erstarrt, doch geistig quicklebendig geblieben ist. Wie einer sich fühlt, den die Krankheit mitten aus dem aktiven Leben reißt und den die anderen, so sagt er selbst, nur noch als „Zombie“ oder als eine Art „Gemüse“ betrachten. „Das Opfer eines Locked-in-Syndroms ist wie ein Mutant, der sein früheres Selbst abschütteln muss, um wiedergeboren zu werden“, sagt Bauby in einem Interview kurz vor seinem Tod zu Eric Orsenna. „Die täglichen Sorgen sind ausgelöscht und ersetzt durch die einzige Frage, die zählt: kann man im Zustand vollkommener Verstümmelung Leben?“ Dass und wie er es konnte, hat Bauby in seinem Buch gezeigt. Die Krankheit hat ihn zu einem Schriftsteller gemacht, der nicht nur mit bewundernswertem Humor seine eigene Situation analysiert, sondern die Phantasie und das Schreiben auch als das beste Antidot begreift. Schmetterling und Taucherglocke ist ein Akt der Selbstbehauptung des Geistes angesichts der totalen physischen Niederlage - eine „Reflexion über den Sinn des Lebens“.

52) Wolf Haas - Auferstehung der Toten - Thriller

In Zell, einem österreichischen Skiort, geht es etwas behäbiger zu als im Rest der Welt. Hier wird man nicht erschossen, sondern tief gefroren. So ist es einem steinreichen, amerikanischen Ehepaar ergangen, das man an einem klirrenden Wintermorgen im Sessellift findet. Die Polizei beißt sich an der Sturheit der Zeller schnell die Zähne aus. Licht in diesen Fall kann nur ein Mann wir Privatdetektiv Brenner bringen, ein ehemaliger Polizist, der wegen seiner Nerven zermürbenden Langsamkeit aus dem Job geekelt wurde. Brenner hat das Gespür für den Rhythmus der österreichischen Provinz.

53) Jostein Gaarder - Das Leben ist kurz - Vita brevis

Was ist das für ein Brief den Jostein Gaarder in einem Antiquariat in Buenos Aires entdeckt? Eine Fälschung? Oder eine Enthüllung? Wahr ist, dass der berühmte Kirchenvater Augustinus, an den der Brief gerichtet ist, viele Jahre lang eine Frau namens Floria liebte, sogar einen Sohn mit ihr hatte und ihr dann plötzlich für seine Liebe zu Gott den Laufpass gab und alle gemeinsamen Gefühle verriet. Wie musste Floria sich fühlen? Das erzählt der aufgefundene Brief, der ihren Namen als Absender trägt. Floria fragt Augustinus: Warum ist alles, was zwischen uns war, plötzlich Sünde in deinen Augen? Warum ist die Frau die, die verführt, und der Mann nur der Verführte? Warum schließt deine Liebe zu Gott jede Leidenschaft für eine Frau aus? In ihrer provokanten Argumentation rüttelt Flora an einer Moral, die den Mann bis heute - nicht nur in der Kirche - über die Frau erhebt.

54) Die Schuld der Liebe - Andreas Gruber

Monika Besse (Sandrine Bonnaire), Dolmetscherin bei der EU in Luxemburg, kommt nach Wien, weil ihr Vater unter vorerst ungeklärten Umständen tot aufgefunden wurde. Eigentlich will sie nur die Formalitäten hinter sich bringen, doch sie ist irritiert, weil sie rasch erkennt, dass sie eigentlich gar keine Ahnung hat, wer ihr Vater eigentlich war. Und so begibt sie sich auf die Suche nach seiner - und damit auch ihrer eigenen - Identität. Sie gerät zwischen zwei Männer, ihren Ehemann Wilhelm (Hanns Zischler) und einen Kommissar, der den Fall untersucht und sich im Zuge dessen in sie verliebt. Als sie den Verlust ihres Vaters akzeptiert, findet sich auch ihre eigene Position im Leben wieder. „Im Grunde ist es eine Übung in der Aufgabe, Abschied zu nehmen. Es ist eine private Geschichte, die aber auch politisch wird, weil der Konflikt zwischen der privaten Person des Vaters und seiner öffentlichen Funktion ständig spürbar war und ist. Natürlich erzählt man Geschichten aus der privaten Erfahrung heraus, aber das hat noch nichts mit der eigenen Biographie zu tun. Ich denke, dass Abschiednehmen und die Trauerarbeit im Leben oft zu kurz kommen.“ (Andreas Gruber)

55) Javier Marias - Morgen in der Schlacht denk an mich

„Niemand denkt je daran, dass er irgendwann eine Tote in den Armen halten könnte ....“ Aber genau das passiert Viktor. Es ist sein erstes Rendezvous mit der Frau, die erste gemeinsame Nacht bei ihr zu Hause. Der Ehemann ist verreist, das Kind schläft nebenan. Plötzlich wird der Frau übel, und innerhalb kurzer Zeit ist sie tot. Mit dieser unheimlichen Szene beginnt eine atemberaubende, dicht erzählte Geschichte über Liebe und Verrat. Victor, dem diese Nacht wie ein Albtraum nachgeht, beginnt zu rekonstruieren, was wirklich geschah.

56) Gerhard Roth - Der Plan

Konrad Feldt ist mit Leib und Seele Bibliothekar und lesesüchtig. Als ihm eines Tages ein gestohlenes wertvolles Autograph Mozarts aus der Österreichischen Nationalbibliothek in die Hände gerät, gibt er es nicht zurück, sondern folgt dem verlockenden Angebot eines japanischen Händlers und reist nach Tokio. Mit der kostbaren Handschrift im Gepäck muss er sich nun krimineller Nachstellungen erwehren und steht schließlich gar unter Mordverdacht.

57) Elisabeth Reichart - Fotze

Der Vater verlässt das Haus und verbringt sein Leben damit, vier weitere Häuser zu bauen. Seine Tochter entdeckt an der Bunkermauer das verbotene Wort für ihr Geschlecht. Erst viel später begreift sie die Verbindung von Bauwut, Krieg Sexualität und Wortsucht. Sie kehrt in die fünf Häuser ihrer Kindheit zurück, trifft auf die Mutter, die sich mit den toten Brüdern in eine Gruft zurückgezogen hat, auf die Schwestern, in deren naives Geschlechtsleben sie gewaltsam einzudringen versucht und auf die Erinnerung an den einzigen Mann, mit dem sie eine lustvolle Sexualität erlebt hat. Seither hat sie das erste Haus nie mehr betreten. Bevor sie ihren Liebhaber in das fünfte Haus mitnimmt, hat er ihr mit Wortgewalt die vertraute Sprachlosigkeit genommen: FOTZE, SCHWANZ, FICKEN, sagt er wie er es immer sagt, aber bei ihr lösen diese Worte eine Explosion aus, die in der Zerstörung endet: Das fünfte Haus, das sie bewohnt, wird vom Krieg verwüstet.

58) Marlene Streeruwitz - Verführungen

Wien im Jahr 1989. Helene Gebhardt, geborene Wolffen, ist 30 Jahre alt. Sie hat früh geheiratet, lebt aber seit zwei Jahren getrennt von ihrem Mann Gregor, einem Mathematikdozenten, der sie wegen seiner Sekretärin verlassen hat. Um über die Runden zu kommen, arbeitet sie Bürokraft ein einer PR-Agentur. Ein Studium der Literatur- und Kunstgeschichte hat Helene wegen der Kinder abgebrochen. Die Freundschaft mit ihrer exaltierten Freundin Püppi, die sich in einer ähnlichen Situation befindet, zerbricht, als Helene das Verhältnis zwischen ihrem Mann und Püppi entdeckt. Helene hat den Traum von der funktionierenden Beziehung noch nicht aufgegeben. Der Anspruch, eine perfekte Mutter, Geliebte, Tochter und gut im Job zu sein, überfordert sie. Helenes Alltag wird zusehend zu einem Existenzkampf, zu einer Folge von mal harten, mal banalen, dann wieder von Hoffnung genährten Ausflügen in die Welt der Männer, die am Ende nur ein Ergebnis haben: Helene muss sich behaupten.

59) Wolf Haas - Ausgebremst

Ich bin kein Mörder. Ich habe den Taxifahrer in reiner Notwehr erwürgt. Ich sitze zu Unrecht im Hochsicherheitsgefängnis von Stein. Der Fahrer wollte mich in den Tod chauffieren, weil niemand erfahren soll, warum ein halbes Dutzend Formel-I-Piloten bei Flugzeugabstürzen sterben mussten. Keiner soll daran erinnert werden, wie Michael Schumacher in sein erstes Formel-I-Cockpit kam. Jeder soll glauben, Niki Lauda sei der echte Niki Lauda. Zwölf Jahre lang blieb die Formel I von Leichen verschont. Nur wir Fanartikelhändler starben wie die Fliegen. Jetzt kehrt der Tod auf die Pisten zurück.

60) David Lodge - Therapie

Man könnte meinen, Laurence Passmore habe sich sein Leben recht nett eingerichtet: Zugegeben, er ist so gut wie kahl, und sein Spitzname „Tubby“ (Dickerchen). Aber seine Villa in Rummidge, sein Job als erfolgreicher TV-Sitcom-Autor und sein vitales Sexualleben mit seiner langjährigen Ehefrau Sally machen diese Schönheitsfehler locker wett. Könnte man meinen. Doch Laurense fehlt ein Stück zum Glück: Zufriedenheit und Seelenruhe. Zur Pflege seiner seelischen und körperlichen Wehwehchen geht Tubby montags zur Physiotherapie, dienstags zur kognitiven Verhaltenstherapie und freitags abwechselnd zur Aromatherapie und Akupunktur, doch keine der Therapien will so recht anschlagen. Angst, sagt seine langjährige platonische Liebe, sei der Schlüssel, den er suchen und zu dem er das passende Schloss finden müsse. Auf seiner Suche stolpert Laurence über jugendliche Penner, durch Klatschspalten und verschiedenste Betten und Schlafzimmer auf Teneriffa, in Beverly Hills, Kopenhagen und Galizien. Sein Heil findet er schließlich bei Kierkegaard und bei seiner ersten Liebe in Süd-London.

61) Harry Mulisch erzählt eine Harry Mulisch - Zwei Frauen

Geschichte, die Leserinnen und Leser überraschen wird: Die Liebe zwischen zwei Frauen, die an der Vergangenheit und dem Unverständnis ihrer Umwelt zerbricht. „Es war Samstagnachmittag, eine matte Februarsonne schien auf die Stadt. Auf der anderen Straßenseite sah ich sie vor dem Schaufenster eines Juweliergeschäfts stehen..... Es war, als ob auf der Straße alles undeutlich geworden wäre und verformt, wie auf bestimmten Fotos, und nur das Mädchen in der Mitte wäre scharf geblieben.“ Harry Mulischs Bericht beginnt wie unzählige Liebesromane zuvor. Doch eines ist anders: Eine Frau erzählt von der Liebe zu einer Frau. Als Laura der jungen Sylvia begegnet, hat sie bereits eine gescheiterte Ehe mit einem Theaterkritiker hinter sich, und so erlebt sie zum ersten Mal, was leidenschaftliche Liebe wirklich bedeutet. Doch eine unvorhergesehene Wendung scheint geradewegs in die Katastrophe zu führen: Sylvia verlässt ihre Freundin, um mit deren früheren Mann zusammenzuleben.

62) Donna Leon - Vendetto

Wer telefoniert von einer Bar aus in Venedigs Industrievorort Mestre mit Osteuropa, Ecuador und Thailand? Und warum finden sich ein paar der angewählten Nummern ohne Namen in den Adressbüchern von zwei Männern, die binnen einer Woche sterben? Fragen, die niemand stellen würde, wären nicht acht rumänische Frauen verunglückt, die nach Italien eingeschmuggelt werden sollten. Kurz darauf wird die Leiche eines Anwalts entdeckt, der in Kreisen einflussreicher Banker und Industrieller verkehrte. Weitverzweigt sind die Unglücksfälle aber auch die Connections von Commissario Brunetti: Gerne stehen ihm Tochter Chiara, Richter Benjamin und die Sekretärin seines Chefs zur Seite, wenn es darum geht, Machenschaften auf die Schliche zu kommen und Tätern das Handwerk zu legen, die sich an unschuldigen Opfern vergreifen.

63) Jose Saramago - Das Evangelium nach Jesus Christus

Jesus als „Mensch unter Menschen“ - lebenshungrig und voller Neugierde, sinnenfroh und genießerisch, manchmal aber auch ängstlich und unsicher. Jose Saramago gibt in seiner bisweilen skandalösen, stets aber glaubwürdigen „Heilandsgeschichte“ den bekannten Ereignissen immer wieder überraschende, phantasievolle neue Wendungen. Er rüttelt an den Fundamenten unserer Kultur und stellt mit beeindruckender Radikalität Geschichte, Geschichte, Religion und Legende in Frage.

64) Berthold Brecht - Leben des Galilei - Schauspiel

Das Schauspiel „Leben des Galilei“ wurde 1938/39 im Exil Dänemark geschrieben. Die Zeitungen hatten die Nachricht von der Spaltung des Uran-Atoms durch den Physiker Otto Hahn und seine Mitarbeiter gebracht. Die Uraufführung der ersten Fassung des Stückes erfolgte 1943 am Schauspielhaus Zürich, die der zweiten Fassung 1947 in Beverly Hills (Coronet Theatre).

65) Tom Murphy - Die Verführung der Moral

Als sie in New York die Nachricht vom Tod ihrer Mutter erhält, macht sich Vera O`Toolo auf zu einem ihrer seltenen Besuche im Heimatstädtchen Grange in Irland. Dort erfährt Vera, dass sie das Prestigeobjekt der Familie, das Imperial Hotel von Grange, erben soll. Obwohl sie die älteste der vier O`Toole Kinder ist, reagieren die Geschwister Tom, Marcia und Mary Jane mit Bestürzung: ausgerechnet Vera, die sich nie um die Familie gekümmert hat, geschweige denn um das Hotel - Vera, das schwarze Schaf der Familie, sie, von der man nicht einmal weiß, wie sie in den Staaten ihren Lebensunterhalt verdient. Ein Kampf um das Imperial entbrennt. Tom entlässt das Personal und gibt das Hotel zur Versteigerung frei. Vera kämpft mit ihren eigenen Waffen und trifft die ehrenwerte Verwandtschaft empfindlich: Sie verbündet sich mit ihrer Jugendliebe Finbar, einem Nichtsnutz eines Lumpensammler und persona non grata in Grange. Als Tom O`Toole seinen Schwager und studierten Juristen Henry, seiner aristokratischen Lebensweise wegen „Der Grieche“ genannt, zu Rate zieht, erleidet die Fraktion der Rechtschaffenden die nächste Niederlage: Statt zu vermitteln, paktiert der Grieche mit Finbar und Vera. Um das Maß voll zu machen, bezieht die illustre Menage a Trois das verwaiste Hotel.

66) Erich Kästner - Fabian - Die Geschichte eines Moralisten

„Fabian, Jakob, 32 Jahre alt, Beruf wechselnd, zur Zeit Reklamefachmann, Schaperstraße 17....... Was müssen Sie noch wissen?“ Am Beispiel des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian beschreibt Erich Kästner bissig und schonungslos den Niedergang der Weimarer Republik und ihrer politischen und gesellschaftlichen Ideale. Die Welt steht kopf, moralische Normen haben ihre Gültigkeit verloren, politische Extreme befehden einander - und inmitten dieses Durcheinanders steht Fabian, der Moralist, als Beobachter und studiert das Leben .... „Der Moralist“, schrieb Kästner in einem späteren Vorwort, „pflegt seiner Epoche keinen Spiegel, sondern einen Zerrspiegel vorzuhalten. Die Karikatur, ein legitimes Kunstmittel, ist das Äußerste, was er vermag. Wenn auch das nichts hilft, dann hilft überhaupt nichts mehr....“

67) Martin Amanshauser - Erdnussbutter

Erdnussbutter ist ein Sympathie-Indikator: Wer sie liebt, ist in Ordnung, über die anderen sollte man besser kein Wort verlieren - davon ist Ninette überzeugt. Zumindest am Anfang. Lange bevor sie in dieser Villa in der Toskana aufwacht, lange bevor sie den jungen Studenten kennen lernt und vor allem lange bevor zwei Leichen die Tiefkühltruhe im ersten Stock bevölkern. Eigentlich hat alles mit den geheimnisvollen Vietnamesen begonnen, die von Ninette durch die Stadt geführt werden wollen, ohne irgendein Gebäude von innen zu besichtigen. „Die gehören mit Sicherheit nicht zur Gruppe der Erdnussbutterliebhaber“, würde Belenski sagen, aber Belenski sitzt noch in einer WG in Wien, als die asiatischen Herren in Salzburg auftauchen, und ist vollauf damit beschäftigt, abgesandelte junge Studenten in Kaffeehäusern aufzulesen und in einer seiner nicht minder abgesandelten WG’s unterzubringen - umsonst, oder fast. Denn hin und wieder wird der Neuzugang für allerlei undurchsichtige Aufträge herangezogen: Irgendwelche Papiere sollen von A nach B getragen werden, für ein Taschengeld. Dem jungen Studenten kommt eine derartige Einkommensquelle gerade recht, eine Abwechslung zum perspektivlosen Herumhängen. Aber dann wird er neugierig, und - was fast noch schlimmer ist - er verliebt sich in die falsche Frau. Neugier tötet die Katze.

68) Tahar Ben Jelloun - Papa, was ist ein Fremder?

Tahar Ben Jelloun spricht mit seiner zehnjährigen Tochter über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und erklärt ihr dabei ein einfachen Worten die Bedeutung von Kolonialismus, Diskriminierung, Getto, Apartheid, Antisemitismus oder Völkermord. Entstanden ist ein kindgerechtes Plädoyer gegen den Hass und für die Achtung vor dem anderen, für das Ben Jelloun mit dem europäischen Preis der Künstler für den Frieden und dem Global Tolerance Award der UNO ausgezeichnet wurde.

69) Markus Werner - Zündels Abgang

Kann ein Autor erwarten, dass sein Held ernst genommen wird, wenn er diesem bereits auf den ersten Seiten mir nichts dir nichts einen Zahn aus dem Mund fallen und ihn wenig später in einer Eisenbahntoilette einen abgeschnittenen Finger finden lässt? Er kann, wenn es ihm wie Markus Werner gelingt, das Komische und das Absurde mit der Betrübnis und dem Bitterernsten so zu verbinden, dass sie spiegelbildlich werden. - Zündel, der Held, Mitte dreißig, verheiratet, spürt in sich wie eine schleichende Infektion das Existenzzernagende des Lebensalltags. Gegen Katastrophen könnte man sich aufbäumen, was aber hilft noch gegen die kleinen und um so dreisteren Alltags-Attacken, gegen die abgeklärte Robustheit des Normalen. Als die großen Ferien da sind und ihn nichts mehr hält, entfernt sich Zündel. Der Versuch einer Reise nach Griechenland scheitert, ein erneuter Anlauf bringt ihn bis Genua. Was ihm dort zustößt, ist nur noch für den Leser zum Lachen. Zündel will nicht mehr und geht ab.

70) John Irving - Witwe für ein Jahr

Eines Nachts - sie war vier und schlief in der unteren Koje ihres Stockbetts - wachte Ruth Cole von leidenschaftlichem Stöhnen auf, das aus dem Schlafzimmer ihrer Eltern kann. Sie hatte noch nie solche Geräusche gehört. So beginnt die Geschichte von Ruth Cole, geboren 1954, einer „schwierigen Frau“, die weder im herkömmlichen Sinne nett noch eigentlich hübsch ist und die man dennoch nicht vergisst. Wir begegnen Ruth an drei Wendepunkten ihres Lebens. Zuerst 1958 in Long Island, ist sie gerade vier Jahre alt. Das zweite Mal treffen wir sie im Herbst 1990 als unverheiratete Schriftstellerin in Frankfurt und Amsterdam; ihre literarische Karriere verläuft viel erfolgreicher als ihr Privatleben, das gespickt ist mit „schlimmen Freunden“. Das (Über-) Leben ist Ruth schwierig genug, doch lieben ist noch schwieriger. Der dritte Teil spielt im Herbst 1995 in Ruths Geburtshaus auf Long Island. Ruth ist 41, Witwe und Mutter und verliebt sich zum ersten Mal.

71) Norbert Gstrein - Die englischen Jahre

Nordatlantik, 2. Juli 1940. Die Arandora Star, ein ehemaliger Luxusdampfer unter britischer Flagge, wird auf ihrem Weg nach Neufundland torpediert und versenkt. An Bord über tausend Internierte, sogenannte feindliche Ausländer, darunter auch ein Gefangener, dessen Identität unklar ist. Von diesem Schiffsuntergang erfährt mehr als fünfzig Jahre später eine junge Frau, als sie die Spur des aus Österreich stammenden Schriftstellers Gabriel Hirschfelder verfolgt, der in Southend-on-Sea gestorben ist und vor seinem Tod das Bekenntnis abgelegt hat, er hätte im Krieg einen Mann umgebracht. Was hat das mit dem geheimnisvollen Gefangenen zu tun? Bei ihren Nachforschungen, die sie nach London und Wien führen, beginnt die junge Frau, sich die Lebensbedingungen während der bedrohlichsten Kriegsmonate in England vergegenwärtigen, als tagtäglich die Invasion erwartet wurde. Schließlich gelangt sie auf die Isle of Man, wo damals jüdische Flüchtlinge und Nazisympathisanten in Internierungslagern zusammengesperrt waren. Dort findet sich der Schlüssel zu Gabriel Hirschfelders angeblich verschwundener Autobiographie mit dem Titel „Die englischen Jahre“. Vielfach gespiegelt erzählt Norbert Gstrein eine Geschichte aus dem englischen Exil, eine Geschichte von Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit, die auch eine Geschichte darüber ist, was am Ende ein Leben ausmacht und ob es neben den Bildern, die man davon hat, überhaupt so etwas wie ein wahres Leben gibt.

72) Marlene Streeruwitz - Nachwelt

Eigentlich hätte es eine Liebesreise werden sollen. Die Recherche für die Biografie über Anna Mahler hätte Margarethe nebenbei gemacht. Aber dann kommt er nicht mit. Die Stieftochter hat wieder einmal Probleme. Margarethe fährt allein nach Los Angeles und stürzt sich in die Arbeit an der Biografie. Sie interviewt die beste Freundin, Ehemänner, Freunde und Schüler von Anna Mahler. Viele von ihnen sind wie Anna selbst Emigranten aus der Nazi-Zeit. Doch diese Berichte ergeben kein Gesamtbild. Margarethe muss herausfinden, dass er ihr unmöglich ist, diese vielen Erzählungen in eine „wahre“ Geschichte zu verwandeln. Sie selbst lebt in der Nachwelt, aber die Vergangenheit ragt in ihre Gegenwart. Die Reise wird zur doppelten Suche nach Wahrheit, nach der anderen damals und nach der eigenen heute. In der Kulisse von Los Angeles gerät Margarethe zwischen zwei Zeiten und zwei Sprachen. Fremd und allein mit Sehnsucht, Liebe, Enttäuschung und der Wucht der Erinnerung muss sie zusehen, wie die Zerstörung von damals weiterwirken. Auch in ihr.

73) Linn Ullmann - Die Lügnerin

Die Blooms sind eine Familie, die eines Woody-Allen-Films würdig wäre: jeder einzelne liebenswert, verrückt, leicht schräg - und unglücklich. Doch im Kampf gegen das Unglücklichsein sind alle unendlich tapfer und jeder Situation gewachsen: wie Anni, die Unwiderstehliche, der alle Männer verfallen und die eines Tages selbst Opfer wird; oder June, die sich als Soldat bezeichnet und nach dem Motto lebt: Nie zurückschauen, einfach durchstreichen und weitergehen; oder Tante Selma, die Wut und Boshaftigkeit am Leben halten. Nicht zu vergessen sind Annis Töchter Julie und Karin: Julie ist stets unglücklich und verzweifelt - kein Soldat laut Großmutter June; Karin dagegen versucht mit Hilfe ihrer Lieblingsbeschäftigungen ihr Leben zu meistern: Geschichten erzählen, Männer verführen und lügen. Doch auf der Suche nach Liebe scheint keine der Frauen mit der jeweils eigenen Strategie wirklich glücklich zu werden.

74) Georg Büchner- Leonce und Lena - Ein Lustspiel

Beschreibung fehlt.

75) Patricia Duncker - James Miranda Barry

Patricia Dunckers neuer Roman erzählt die Lebensgeschichte seiner authentischen Titelgestalt: James Miranda Barry ist ein Hermaphrodit oder eine Frau, kein Mann jedenfalls und auf alle Fälle ein Mensch, der sein Leben lang einen Mann spielt, ohne einer zu sein. Seine drei  „Väter“, hochgestellte Liebhaber der Mutter, schließen in einer trunkenen Nacht Anfang des 19. Jahrhunderts einen Pakt, die Talente des bis dahin von Mädchenkleidern umhüllten Kindes nicht zu vergeuden: Mit Geld, Rang und Namen sorgen sie für eine männliche Identität des Kindes und lassen den Elfjährigen in Edinburgh Medizin studieren. Entscheidend für Barrys gesamtes Leben ist aber noch ein zweiter „Pakt“, den er mit dem gleichaltrigen Mädchen Alice Jones schließt, einem Kind aus den untersten Klassen: Barry lehrt Alice lesen. Wie seine Väter ihn befreit haben, so befreit er damit sie von den ihr auferlegten Grenzen eines - noch dazu armen - Mädchens. Dafür lehrt die schöne, Wilde Alice den kleinen, rothaarigen Barry erst die ganze Tragweite ihrer und seiner eigenen Verwandlung begreifen.

76) Torero & Pimenta - Das Land der Papageien

Am 22. April des Jahres 1500 ertönt auf dem Schiff des Portugiesen Pedro Alvares Cabral der Ruf: „Land in Sicht!“ Die Europäer haben Brasilien entdeckt. Mit an Bord ist Cosme Fernandes aufgrund einer verbotenen Liebesaffäre auf dem Weg in die Verbannung nach Indien - dem offiziellen Ziel der Flotte. Er befindet sich nicht gerade in bester Gesellschaft, denn er muss sich die Kabine mit anderen Verbannten - lauter zwielichtigen Gestalten - teilen, „deren Vergehen und Schandtaten ein größeres Buch als die Suma Theologica füllen könnten“: Begleitet von sechs weiteren Männern wird Cosme an Land gesetzt. Bald schon lernen sie die paradiesischen Zustände von Terra Papagalli, dem Land der Papageien, zu schätzen: Sie entledigen sich ihrer Kleidung, bauen Hütten, suchen sich Frauen und verbringen den größten Teil des Tages in der Hängematte. Als im Jahre 1531 die Portugiesen bis an die Zähne bewaffnet wiederkommen, um das Land endgültig für sich in Anspruch zu nehmen, schlagen sich die sieben Verbannten auf die Seite der Indios. Und als Cosme auch noch seine große Liebe Lianor wiedertrifft, die an der Seite eines portugiesischen Konquistadors in die Neue Welt kommt, hat er einen doppelten Grund, sich gegen die Eindringlinge zur Wehr zu setzen.... Schelmisch, mit bissiger Ironie und in einer ganz eigenen Sprache erzählt „Das Land der Papageien“ die Geschichte einer abenteuerlichen Reise, einer großen Liebe und der Begegnung der Alten mit der Neuen Welt.

77) Elfriede Kern - Kopfstücke

Yolande hat sich auf einer Almhütte verkrochen, mit einem Loch im Kopf, das ihr der Bruder mit einer Spitzhacke geschlagen hat. Der Besitzer der Hütte fühlt sich von Yolandes Loch im Schädel voyeuristisch-erotisch angezogen, erpresst sie. Sie flieht in Richtung Küste und findet bei einem pensionierten Anwalt neuerlich Unterkunft. Und auch für ihn ist ihre Kopfwunde ein Faszinosum: Auf fanatische Weise verfolgt er das Ziel, sich selbst ein solches Loch in den Schädel zu bohren, galt doch die Trepanation im Altertum als Weg, sich ein dauerndes Hochgefühl zu verschaffen. Mit etwas Geld gelingt abermals die Flucht, während der sie auf die unstete Cora trifft, die geheimnisvolle Opfersäckchen herstellt und verkauft. Erzählt werden diese abgründigen Geschichten mit Verve, Raffinesse und einer heiteren Infamie.

78) Haruki Murakami - Gefährliche Geliebte

Gefährliche Geliebte ist ein Roman von magischer Kraft, der auf fesselnde Weise vom Einbruch dämonischer Leidenschaft ins Leben erzählt. Zwei Jazz-Balladen ziehen sich durch diese Lebensgeschichte, und mit dem ruhigen Tonfall einer Ballade erzählt Haruki Murakami vom unwiderstehlichen Sog der Gefühle. Hajime ist Ende dreißig, nach Jahren der Ziellosigkeit ein erfolgreicher Jazz-Bar-Besitzer, Ehemann und Vater. Frauen haben sein Leben geprägt. In der Kindheit Shimamoto, wie er selbst ein egozentrisches Einzelkind. Mit Shimamoto hört er Schallplatten, hält Händchen und spricht über die Zukunft. Mit zwölf Jahren verlieren sie sich aus den Augen, um sich ein Vierteljahrhundert später wieder zu begegnen. Wie eine Halluzination taucht die Kindergeliebte Shimamoto wieder auf, unfassbar und geheimnisumwoben. Sie verkörpert für Hajime, was ihm im klugen Geschäftsleben und zusammen mit der ausgeglichenen Ehefrau Yukiku abhanden gekommen ist. Shimamoto erscheint immer an regnerischen Abenden, wie eine Andeutung aus einer fremden Welt. Die Frau mit dem bezaubernden Lächeln, das verloren geglaubte Seiten anrührt. Hajime ist bereit, sein bisheriges Leben aufzugeben.

79) Urs Widmer - Der Geliebte der Mutter

Als sie ihn kennen lernt, in den zwanziger Jahren in der Stadt am See, ist sie jung und schön und reich, er dagegen ein mittelloser, junger Mann, der nur eines im Kopf hat: Musik. Neue Musik. Ein Orchester gründen, das Bartok, Krenek oder Prokofjew spielt. All die jungen Komponisten, die kein Mensch kennt. Am Ende ihres Lebens ist er ein berühmter Dirigent und der reichste Mann des Landes, und sie ohne Geld und immer noch und immer mehr von einer Liebe zu ihm umgetrieben, von der weder er noch sonst jemand etwas weiß. Der Geliebte der Mutter ist die Geschichte einer stummen, besessenen Leidenschaft, aufgezeichnet von ihrem Sohn. Es ist der Bericht einer Lebenstragödie, aus einer Distanz erzählt, in der sich der Schmerz schon fast wieder in Heiterkeit verwandelt hat.

80) Bernhard Schlink - Der Vorleser

Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er ... und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.

81) Anna Mitgutsch - Haus der Kindheit

Die Fotografie eines Hauses in einer österreichischen Kleinstadt hatte die Mutter von Max so sehr geliebt, dass sie diese in jeder neuen Wohnung in New York aufstellte, in jeder weiteren immer ärmlicher werdenden Station ihres Exils. Zurück wollte sie jedoch nie. Dass ihre Schwester den Nazis nicht entkommen konnte, hat sie für immer von ihrem Zuhause abgeschnitten. Und auch Max zieht nichts zurück in die alte Heimat: und er führt ein ungebundenes Leben. Dennoch bleibt in ihm eine heimliche Sehnsucht nach Europa wach. Knapp dreißig Jahre nach Kriegsende reist er zurück nach Österreich, findet dort allerdings nicht das in den Träumen seiner Mutter immer verlockender gewordene Haus, sondern trifft auf Beamte, die, unempfindlich gegenüber seiner jüdischen Familiengeschichte ihn danach fragen, mit welchem Recht er die Rückgabe seines Besitzes überhaupt fordere. Bis ans Herz ernüchtert bricht Max seinen ersten Aufenthalt ab und kommt erst Jahre später wieder zurück. Rätselhaft für ihn selber ist die Sehnsucht nach dem Ort, an dem seine Mutter für wenige Jahre glücklich war, und auch bei seinem zweiten Aufenthalt findet er keine Erklärung für dieses Gefühl. Dafür trifft er einige Menschen wie Spitzer, den alten Vorsteher der kleinen jüdischen Gemeinde, und eine Frau, die ihn einst sehr geliebt hatte. Und er stößt auf eine unsichtbare Stadt, die verborgene Geschichte der Juden, aber in allen diesen Vergangenheiten kann er auf Dauer nicht leben. Anna Mitgutsch hat einen Roman über Suchen und Finden geschrieben, eine im höchsten Maß aktuelle Geschichte der Liebe zu einer Heimat, die nur in der Erinnerung betreten werden kann.

82) Raoul Schrott - Die Wüste Lop Nor

Eine poetische Liebesgeschichte, eine Erinnerung an Länder und Städte: Raoul Schrott erzählt von einem Mann und drei Frauen, von einem kleinen Ort in der Wüste und von Reisen auf andere Kontinente. Das Haus liegt auf einem Hügel. In einem Zimmer stehen ein Eichentisch und eine Truhe voller Fläschchen mit Sand; in der Fensternische ein Pinienzapfen, ein Cri Cri und ein Stein. Ein kleines Dorf am Rande der Wüste. Einmal in der Woche nimmt Raoul Louper den Bus nach Kairo, und dort beginnt das Erzählen .... Erzählt wird von den Wahlverwandtschaften der Liebe, den Reisen, die ihn zu Elif, Francesca und Arlette führten, und wieder von ihnen fort, von den einzelnen Augenblicken und vom Verfließen der Zeit; Gespräche über „singende Sande“; Treibsand, Küstenstriche und Wüsten. Und immer wieder kehren seine Gedanken zurück zu den drei Frauen und zu den Ländern, in denen er  mit ihnen gelebt hat. Raoul Schrott hat eine Geschichte in hundert und einem Kapitel geschrieben, deren Stränge und Handlungsfäden alle Elemente einer klassischen Novelle beinhalten (mit eingeschlossen Wielands Postulat, dass sich eine Novelle nicht im Dschinnistan der Perser ereignen dürfe) und trotzdem über ihren Rahmen hinausgehen. Denn wer eigentlich ist es, der erzählt?

83) Paulo Coelho - Veronika beschließt zu sterben

Veronika, die schwarzhaarige junge Slowenin mit den grünen Augen, träumt von einer Pianistenkarriere. Doch sie hat ihren Lebenstraum einem ereignislosen Alltag im Nachkriegs-Ljublana geopfert, ohne Herausforderung, ohne Risiko, ohne Passion. Eines Morgens beschließt sie, diesem Leben ein Ende zu machen. Doch die Überdosis Schlaftabletten befördert sie nicht, wie erhofft, in den Tod, sondern in eine Irrenanstalt. Als sie erwacht, teilen ihr die Ärzte mit, sie sei herzkrank und habe nur noch wenige Tage zu leben. Angesichts des Todes lernt Veronika nicht nur zu überleben, sondern mit allen Fasern zu leben: Binnen weniger Tage durchmisst sie, umgeben von ihren Mit-Patienten, alle Höhen und Tiefen des Lebens, beginnt für ihre Zukunft zu kämpfen und verliebt sich zum ersten Mal. Der Roman knüpft an eine dramatische Zeit in Coelhos eigenem Leben an, als er zwischen 18 und 20 mehrmals in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wurde. Mit Veronika beschließt zu sterben hat Coelho ein wunderbares Buch über Normalität und Anderssein geschrieben, über die nötige Prise „Verrücktheit“, die es zum Leben braucht, sowie über den Mut, den eigenen Lebenstraum Wirklichkeit werden zu lassen.

84) Ian McEwan – Liebeswahn

Clarissa und Joe sind glücklich verheiratet, haben es geschafft, ihren Beruf – sie ist Literaturforscherin, er Wissenschaftsjournalist – mit einem Privatleben zu vereinen, das liebevoll und nicht ohne Leidenschaft ist. Der Tag, an dem diese Idylle ihr Ende findet, lässt sich genau bestimmen: Sie veranstalten ein Picknick im Grünen, als in ihrer Nähe ein Ballon abstürzt und Joe zu Hilfe eilt. Seine guten Absichten ändern nichts an dem tödlichen Ausgang des Unfalls, schlimmer noch – er ist daran zum Teil mit schuld. Wie auch Jed Parry, der zu helfen versucht hatte und ebenfalls gescheitert war. Nach dem Unfall sind es nicht allein Schuldgefühle, die Joe plagen, sondern jener Jed Parry, der sich an ihn heftet und immer mehr in sein Leben eindringt. Parry ist der festen Überzeugung, Joe zu lieben, mehr als jeder andere Mensch – er hat einen Liebeswahn entwickelt. Meisterhaft und spannend schildert Ian McEwan, wie ein Psychopath eine Ehe zu zerstören droht.

85) Sandor Marai – Das Vermächtnis der Eszter

Am Morgen des Tages, an dem Lajos zurückkehren soll, geht Eszter in den Garten, um Dahlien zu pflücken, die sie in Vasen auf der Veranda und im Salon arrangiert. Zwanzig Jahre ist es her, dass  er mit seinem unverschämten Charme, seiner betörenden, so unberechenbaren Präsenz die ganze Familie in Bann geschlagen hatte: ihren Bruder Laci, die Schwester Vilma und am leidenschaftlichsten sie selbst – Eszter. Bis heute ist Lajos ihre einzige große Liebe geblieben, und bis heute ist sie unheilbar verletzt darüber, dass er damals spontan Vilma und nicht sie geheiratet hat. Nun aber taucht er wieder auf, dieser verführerische Lügner im weißen Leinenanzug, und mit ihm drei geheimnisvolle Briefe, die eine schreckliche Wahrheit zutage fördern ..... Sandor Marai schickt seine Romanfiguren auf eine Gratwanderung der Gefühle, bei der Lüge und Versäumnis, Hoffnung und Enttäuschung fatal nahe beieinander liegen.

86) T.C: Boyle – America – Roman

Der Zusammenstoß des Mexikaners Candido mit Delaney Mossbachers wachsgepflegtem Auto ist ein wortwörtlicher: Candido, auf dem Weg zur Arbeit, rennt Delaney direkt vor die Haube und wird schwer verletzt. Da die Schuldfrage sich nicht klären lässt und Candido offenbar kein Englisch kann, drückt Delaney ihm eine 20-Dollar-Note in die Hand ..... Zwei Welten, die sich fremder nicht sein könnten: hier America und Candido, illegale Einwanderer aus Mexiko, dort das Ehepaar Mossbacher – liberale, umwelt und ernährungsbewusste Angloamerikaner in Los Angeles. Delaney Mossbacher sieht seine geschützte Welt zunehmend bedroht von dunkelhäutigen, verdächtigen Gestalten, die überall dort herumlungern, wo er seine Wanderungen macht. Und jenseits der eleganten Villensiedlung, tief unten im Topanga Canyon, hausen Candido und America wie die Tiere. Sie versuchen ihr Glück auf dem illegalen Sklavenmarkt – verfolgt von der Immigrantenpolizei, vom Hunger, von der Verachtung der Weißen, von der Bösartigkeit der eigenen Landsleute .....

87) Elisabeth Vera Rathenböck – Memento Mori – Roman

Drei Schicksale, drei Frauenbiographien, die dieses Jahrhundert durchmessen und sich auf eigenartige Weise berühren. Zwei Freundinnen werden durch die Ereignisse in den dreißiger Jahren getrennt, die eine – sie ist jüdischer Herkunft – emigriert nach Amerika und wird zur erfolgreichen Fotografin, die andere bleibt in Europa. Die Tochter der Emigrantin trifft Jahrzehnte später die alte Freundin ihrer Mutter. In verschiedenen Rückblenden wird die Stimmung eines Jahrhunderts im Spiegel von Frauenleben offenbar. Die Tochter, ebenso Fotografin, hat darüber hinaus den Auftrag der alten Dame übernommen – diese wünscht sich, dass ihr Tod fotografisch dokumentiert werde.

88) Thomas Baum – Inversion – Roman

Thomas Baums erstes Prosawerk ist kein Anfängerwerk. Es zeigt den gesellschaftlich engagierten Autor, und es zeigt einen Erzähler auf der Höhe seiner vitalen Sprachkunst. Der Schöpfer der Romanfigur „Jakob Kern“ verbindet die originelle Frische eines Debütanten mit der souveränen Reife eines erfahrenen Theater- und Drehbuchautors und hält die Balance zwischen behutsamer Beobachtung und atemberaubender Spannung mit der Sicherheit des leidenschaftlichen Geschichtenerzählers.

89) Rita Mae Brown – Schade, dass du nicht tot bist – Roman

Kleinstädte sind wie große Familien: Man lebt sehr nah beieinander, und trotzdem versucht jeder, seine kleinen Geheimnisse zu bewahren. Crozet/Virginia ist eine solche Kleinstadt, doch die Geheimnisse ihrer Einwohner sind manchmal unheimlich. Als ein Mord geschieht, begibt sich die Tigerkatze Mrs. Murphy auf Spurensuche. „Nicht nur humorvoll und einfühlsam geschrieben, sondern auch überaus spannend. Ein Krimi-Erstlingswerk, nicht nur für Tierfreunde unter den Krimi-Liebhabern unbedingt empfehlenswert.“

90) Anatole Broyard – Verrückt nach Kafka

Anatole Broyard stand als Herausgeber und Kritiker der New York Times über Jahrzehnte im Mittelpunkt der amerikanischen Literatur. Als er dem Wunsch nachkam, seine Autobiographie zu schreiben, begab er sich weit zurück und entwarf das Porträt eines kurzen Zeitabschnittes, der Periode unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg in Greenwich Village: „ Die Nachkriegstage waren wie ein großes Lächeln in der düsteren Geschichte der Stadt.“ Hier lagen für ihn der Ausgangspunkt seines Lebens und die Quelle des modernen Amerikas, in dieser Zeit schien alles Vorherige und alles Weitere in einem Neuanfang zu verschmelzen. Seine ersten prägenden Erfahrungen machte Broyard, als er mit der jungen Malerin Sheri Donatti, die ein Protege von Anais Nin war, zusammenzog. „Sheri verkörperte all die neuen Trends in Kunst, Sex und Psychose.“ Broyard erzählt die Geschichte seiner ersten Liebe   zu dieser komplizierten und herausfordernden Frau. Es war die Zeit, in der sich im Village junge, noch unbekannte Autoren wie Dylan Thomas, Delmore Swartz und William Gaddies trafen, um die Literatur und die Sexualität neu zu erfinden. Broyard eröffnete eine Buchhandlung im Village, denn: „Mir ist klar, dass die Menschen heute immer noch Bücher lesen, und dass es auch noch Büchernarren gibt, aber was wir 1946 im Village für Bücher empfanden – ich spreche jetzt von mir und meinen Freunden - , ging über Liebe hinaus. Es war, als hätten wir nicht gewusst, wo Bücher anfangen und wo sie enden. Bücher waren unser Wetter, unsere Umwelt, unsere Kleidung. Sie stabilisierten uns, es war als trügen wir eine schwere Tasche in jeder Hand, Taschen die uns im Gleichgewicht hielten. Sie verliehen uns Schwerkraft. Wären die Bücher nicht gewesen, wir wären dem Sex völlig ausgeliefert gewesen." Broyard beschreibt eine Zeit, in der alles anfing und noch alles möglich war – mit einer luziden Beobachtungsgabe und stilistischen Klarheit, die den Leser Satz für Satz erregt und erhellt.

91) Isabel Allende – Portrait in Sepia – Roman

Als die junge Aurora del Valle endlich den Schleier zerreißen kann, der über ihrer Herkunft liegt, hat sie bereits ein bewegtes Leben zwischen San Francisco, dem Europa der Belle Epoque und Chile hinter sich. Ihre ersten Lebensjahre jedoch scheinen in tiefes Dunkel getaucht. Aufgewachsen ist sie im so großzügigen wie pompösen Haus ihrer Großmutter Paulina del Valle, die sie Besitz ergreifend unter ihre Fittiche genommen hat, um sie „in die Welt einzuführen.“ Je mehr aber Aurora von der Welt kennen lernt, um so deutlicher wächst in ihr das Bedürfnis, aus eigener Kraft zu leben. Eine Kamera, die sie als Kind geschenkt bekommt, wird ihr nach und nach zur Leidenschaft und zum Mittel der Suche nach ihrer persönlichen Wahrheit. Was bedeuten die Albträume, die sie immer wieder heimsuchen? Wer waren ihr Vater, ihre Mutter, und woher kommen die Laute einer fremden Sprache, an die sie sich zu erinnern glaubt? Als sie sich eines Tages mit der Untreue des Mannes konfrontiert sieht, den sie liebt, entschließt sie sich, ihre verleugnete Vergangenheit zu erforschen – ohne zu ahnen, dass sie sich in dem Bemühen, dieses Geheimnis aufzuhellen, schließlich in die Welt verlieben wird. Aurora steht im Mittelpunkt dieses mit großem Atem erzählten, farbigen Romans. Doch tatsächlich ist es eine ganze Welt von Schicksalen, die Isabel Allende zu erzählen weiß. Mit Witz und Temperament greift sie ins pralle, ungeordnete Leben, schildert starke, eigenwillige Frauen und schillernde Mannsgestalten. Und wieder zeigt sich ihr Sinn für das vitale Nebeneinander von Lebensernst und Komik.

92) Bernhard Schlink – Selbs Mord

Selbs könnte sich allmählich auf den Lebensabend einstellen, findet seine Freundin Brigitte. Ihr ist der eigenbrötlerische Siebziger immer noch zu unruhig und unabhängig. Die Freunde gehen in Pension. Die wenigen Aufträge lohnen des Büro kaum noch – er sieht es selbst. Doch dann hilft er in einer verschneiten Februarnacht einem liegen gebliebenen Mercedes aus dem Graben und hat plötzlich einen sonderbaren Auftrag am Hals. Einen Auftrag, der den Auftraggeber, Erbe einer alteingesessenen Schwetzinger Privatbank und seit neuem auch Eigentümer einer Bank in Cottbus, eigentlich nicht interessiert und in den er sich doch immer tiefer verstrickt. Die Spur des Geldes führt ihn von West nach Ost, von einer Nachwendeniederlage zu anderen und am Ende zur Frage, ob er sich auf seine alten Tage nicht übernommen hat. Ein aufregender Kriminalroman aus der jüngsten deutsch-deutschen Vergangenheit. Und ein nachdenklich stimmender Roman über das Altern.

93) Josef Haslinger – Vaterspiel – Roman

Rupert Kramer, genannt Ratz, ist Sohn eines österreichischen Ministers. Er ist 35 Jahre alt und das, was man einen Versager nennt. Nächtelang sitzt Ratz vor dem Computer, um ein abstruses Vatervernichtungsspiel zu entwickeln. Er hasst seinen korrupten sozialdemokratischen Vater, der seine Familie wegen einer jungen Frau verlassen hat. Im November 1999 erhält Ratz einen geheimnisvollen Anruf von Mimi, seiner Jugendliebe. Ratz fliegt nach New York, ohne zu wissen, was ihn erwartet. Bald ist klar: Er soll helfen, das Versteck von Mimis Großonkel auszubauen, einem alten Nazi, der sich im Keller eines unauffälligen Hauses auf Long Island verbirgt. Anschaulich und fesselnd erzählt Josef Haslinger vom Schicksal dreier Familien: einer jüdischen Familie, die bei Massakern der Nazis vernichtet wird, einer litauischen Familie, die sich nach Amerika retten kann und dort einen grotesken Zusammenhalt bewahrt sowie von Ratz` eigener Familie, die sich im Wien der neunziger Jahre auf erbärmliche Weise auflöst. Bestechend genau beleuchtet Haslinger die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts und macht eindringlich spürbar, dass man der Geschichte nicht entkommen kann.

94) Amelie Nothomb – Quecksilber – Roman

Man schreibt das Jahr 1923. Ein alter Mann und eine junge Frau leben auf einer Insel in totaler Abgeschiedenheit. Fünf Jahre zuvor hat der alte Kapitän das Mädchen nach einer Bombardierung aus den Trümmern gerettet. Seither ist sie in seiner Obhut – und in seiner Gewalt. Als die junge Frau von einem Fieber befallen wird, bestellt der Alte eine Krankenschwester auf die Insel. Sie soll die Kranke pflegen, unter der Bedingung, dass sie ihr nichts über ihren Zustand verrät. Andernfalls müsse sie sterben. Die Krankenschwester gehorcht dem Alten. Doch wird sie auch zur Komplizin des Mädchens. Es beginnt ein Intrigenspiel, das um so raffinierter ist, als man nicht unterscheiden kann zwischen Gewalt und Liebe, Betrug und Wahrheit, Illusion und Wirklichkeit.

95) Einladung zum Tanz – A. L. Kennedy

Eine Zugfahrt von Glasgow nach London wird für Margaret Hamilton zu einer Reise in die Vergangenheit. Während die Landschaft an ihr vorüberzieht, überlässt sie sich ihren Träumen und Erinnerungen: an die Kindheit ohne Mutter, an den Geruch ihres geliebten Vaters beim Tanz, an Colin, ihren Verlobten, den sie zurückgelassen hat. Sie muss nachdenken über ihren Job in einem Glasgower Gemeinschaftszentrum, den sie gerade verloren hat, weil sie sich auf die Annäherungsversuche ihres Chefs nicht einlassen wollte; über die chancenlosen Jugendlichen, denen sie die selbst kaum Hoffnung auf Veränderung hat, Mut machen sollte; über Colin dessen Liebe sie sucht, auf die sie sich aber nicht einlassen kann. Denn in der Nähe zu anderen Menschen lauert der Verlust: Trennung, Tod, ein Adresszettel, den der Wind davonträgt. Das hoch gelobte Debüt der schottischen Autorin A. L. Kennedy ist ein so raffinierter wie lakonischer Roman über Sehnsucht und Liebe. Leichtfüßig und schwebend wie in einem Tanz bewegt sich die Erzählerin zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Nähe und Distanz, Traurigkeit, beißender Komik und brutaler Realität.

96) Luise Rinser – Mitte des Lebens

Als Luise Rinsers Roman „Mitte des Lebens“ zum ersten Mal erschien, schrieb „Die Weltwoche“ in Zürich: „Dieser Roman, eine Liebesgeschichte teils in Tagebuchform, teils direkt erzählt, ist wahrscheinlich das ausgeformteste und reichste Buch, das die deutsche Literatur heute besitzt. Es schildert die erfüllungslose Liebe eines um zwanzig Jahre älteren Mannes, Dr. Stein, Professor der Medizin, zu der jungen Studentin Nina Buschmann, die im Laufe der Handlung zur Frau heranwächst.... Das Buch ist  viel mehr als eine bloße Liebesgeschichte, es ist die Summe der Lebens- und Kunsterfahrungen einer Dichterin, die ihre Zeit durchlitten und durchfochten hat, um sie nun zu sublimieren, Kindheit  und Tod, Leidenschaft und Leere des Herzens, Künstlertum und Abstraktion, das ganze Leben schillert reich und vielfältig aus seinen Seiten.

97) Christa Wolf – Leibhaftig

Wie ausweglos muss die Krise einer Gesellschaft sein, dass sich ihr Niedergang so in das Individuum einschreibt. Gleichnishaft scheint der Körper sich gegen eine Vergiftung wehren zu müssen, deren Ursprung von den Ärzten lange Zeit vergeblich gesucht wird. Die schwachen Abwehrkräfte der Patientin unterlaufen alle ihre Maßnahmen. Mit der Psyche verbündet, streikt das Immunsystem, und die Ursachen dafür liegen nicht allein im Körper, der nach allen Regeln der ärztlichen Kunst behandelt wird. Die Patientin entgleitet den Ärzten, wird bedrängt von Szenen aus ihrem früheren Leben, spürt den Wegen nach, die ihre Gefährten von damals gegangen sind. Immer wieder schieben sich Fieberphantasien dazwischen. Abgründe öffnen sich, unterirdische labyrinthische Gänge, in denen die Geschichte rumort, die sie leibhaftig erfahren hat. Wilde phantastische Träume treiben sie durch diese unerledigte Vergangenheit und durch ihre Stadt Berlin. Und immer wieder taucht ein Weggefährte auf, der später zum Gegner wurde und dessen Leben tragisch endet. Vieles trägt dazu bei, dass die Kranke in all ihrer Schwäche schließlich den Entschluss fassen kann zu leben – nicht zuletzt die unverbrüchliche Anwesenheit des vertrauten Du.

98) Martin Suter – Small World

Erst sind es Kleinigkeiten: Konrad Lang, Mitte Sechzig, stellt aus Versehen seine Brieftasche in den Kühlschrank. Bald vergisst er den Namen der Frau, die er heiraten will. Je mehr Neugedächtnis ihm die Krankheit – Alzheimer – raubt, desto stärker kommen früheste Erinnerungen auf. Und das beunruhigt eine millionenschwere alte Dame, mit der Konrad seit seiner Kindheit auf die ungewöhnlichste Art verbunden ist.

99) Lilian Faschinger – Magdalena Sünderin

Eine junge Frau mit langen roten Haaren entführt mitten aus der Messe einen katholischen Priester, verschleppt ihn auf ihrem Motorrad irgendwohin in die freie Natur, fesselt ihn an einen Baum und zwingt ihn ihre Beichte anzuhören. Von sieben Liebhabern und deren traurigem Ende durch ihre Hand erzählt sie. Denn Magdalena ist zwar eine großzügige, liebesfähige Frau, aber sie gerät allzu leicht in die Schlingen männlicher Überheblichkeit und bürgerlicher Zwänge. Wenn sich diese Schlingen dann unentwirrbar verknotet haben (was leider unweigerlich jedes Mal passiert), schneidet sie sie eben durch ...... Dem Priester sträuben sich die Haare beim Zuhören. Anfangs noch fest entschlossen, sein Martyrium mit christlicher Demut und Stärke zu ertragen, wird er bald von ungewohnten Regungen durchströmt .....

100) Ildiko von Kürthy – Mondscheintarif

Sie findet sich nicht schwierig, sondern interessant. Ihre beste Freundin hat die größeren Brüste – und ist trotzdem ihre beste Freundin. Cora Hübsch ist 33. Alt genug, um zu wissen, dass man einen Mann NIEMALS nach dem ersten Sex anrufen darf. Also tut sie das, was eine Frau tun muss: Sie wartet. Auf seinen Anruf. Stundenlang. Bis sich ihr Leben verändert. Zum Mondscheintarif.